Friday, January 25, 2019

Der Weg eines NPCs: Toter Schurke von Pavel Kornev




Toter Schurke



Roman
von Pavel Kornev

Der Weg eines NPCs
Buch Nr. 1

Release - April 25


In virtuellen Welten herrscht grenzenlose Freiheit. Man kann sich nach Lust und Laune in einen Elfenzauberer oder einen unsichtbaren Schurken verwandeln, sich einem Clan anschließen und auf Raubzug gehen, kämpfen, den eigenen Charakter weiterentwickeln und vor allen Dingen dem Alltagstrott entkommen.

Ein Spiel ist allerdings nur dann ein Spiel, wenn man jederzeit aufhören kann. Das musste ich am eigenen Leib erfahren. Eigentlich wollte ich mich in der virtuellen Realität lediglich etwas ablenken, doch ich wurde ermordet und im Körper eines Untoten gefangen — langsam, schwerfällig und dazu verdammt, wieder und wieder durch die Hand anderer Spieler zu sterben.

Aus dieser schrecklichen Lage gab es nur einen Ausweg: Ich musste die legendäre Schriftrolle der Wiedergeburt zu finden. Doch das war nur möglich, wenn aus dem hilflosen, pestverseuchten Leichnam eine echte Kampfmaschine wurde. Niemand kann sich vorstellen, was man alles durchmacht, wenn man einen toten Schurken hochleveln will …






Kapitel Eins. Eine pestverseuchte Leiche


1

DIE FUSSFESSEL WAR ZWAR MIT hypoallergenem Kunststoff überzogen, aber dennoch juckte die Haut darunter wie verrückt. Ich zog das Ortungsgerät so weit wie möglich vom Knöchel weg, damit ich mich richtig kratzen konnte. Das Gerät reagierte mit Vibrieren und Summen.
„Ganz ruhig, Genosse Major“, sagte ich schnell. „Im Westen nichts Neues!“
In dem Ortungsgerät, das Straftäter unter Hausarrest kontrollieren sollte, steckten so viele elektronische Module, darunter GPS, GLONASS, Wi-Fi, GSM und sogar ein Höhenmesser, dass ganz sicher auch ein einfaches Mikrofon darin zu finden war. Welchen Rang der für mich zuständige Kontrollbeamte tatsächlich hatte, war dabei ziemlich egal — etwas Anteilnahme zeigt oft große Wirkung. Zumindest hatte ich jemanden, mit dem ich reden konnte …
Ich stand schon im zweiten Monat unter Hausarrest und vermisste den normalen Kontakt zu anderen Menschen allmählich sehr. Schließlich war ich kein abgebrühter Verbrecher oder Soziopath — ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.
Genauer gesagt hatte ich einen Job am falschen Ort gehabt.
Dabei hatte alles so gut angefangen! Mein Gehalt war nicht schlecht, es gab eine Reihe von verlockenden Nebenleistungen und hervorragende Aufstiegschancen. All das ging allerdings den Bach runter, als der Geschäftsführer der Bank wegen Geldwäsche hinter Gittern landete! Mit den illegalen Machenschaften hatte ich nie etwas zu tun gehabt, doch da der Großteil der Zahlungen über meine Abteilung gelaufen war, konnte mein Verteidiger nicht viel mehr für mich herausholen als das Zugeständnis, dass ich unter Hausarrest gestellt wurde. Immerhin besser als Gefängnis.
Aha, wenn man vom Teufel sprach ...
Ich griff zu meinem summenden Smartphone, das nur Anrufe von einer einzigen Nummer entgegennehmen konnte, und hielt es mir ans Ohr.
„Guten Abend, Jan!“, begrüßte ein heller Bariton mich.
„Hallo, Boris!“
„Jan, ich habe gute Nachrichten!“
„Im Ernst?“
In letzter Zeit hatte ich nur selten gute Nachrichten gehört. Mein Leben glich vielmehr dem Gefühl, mit einem gewaltigen Hammer bearbeitet zu werden.
„Wieso sollte ich lügen? Es gab heute Abend einen Störfall im Datenzentrum, und angeblich sind die Aufzeichnungen zu einigen besonders dubiosen Transaktionen deiner Abteilung verloren gegangen. Ich weiß nicht, ob das stimmt oder nicht, aber die Staatsanwaltschaft ist endlich bereit, sich auf einen Deal einzulassen. Wenn du Beweise gegen Kogan lieferst, wirst du im Gegenzug als Zeuge eingestuft und nicht mehr als Angeklagter und bekommst komplette Immunität vor Strafverfolgung.“
„Einverstanden!“, erwiderte ich ohne das leistete Zögern, denn ich hatte nicht die geringste Absicht, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Bank zu decken.
„Das habe ich mir gedacht!“, lachte Boris. „Den Deal haben wir in der Tasche, aber jetzt darfst du auf keinen Fall Dummheiten machen. Entspann dich. Hör Musik, sieh fern, steig in deine Gaming-Box ...“
„Ich dachte, ich darf das Internet nicht benutzen?“, fragte ich überrascht und warf einen Blick auf die Virtual-Reality-Kapsel.
„Das ist ein ganz anderes System. Ich sage dir als dein Anwalt: Das gilt nicht als Verstoß gegen deine Auflagen. Morgen wird kein leichter Tag, deshalb würde ich dir dringend raten, beziehungsweise sogar darauf bestehen, dass du dich entspannst und ausruhst. Die nächste Zeit wird sicher sehr nervenaufreibend und wir müssen bis zum Ende stark bleiben.“
Der Anwalt legte auf, also warf ich das Smartphone aufs Sofa und ging zu der Kapsel, die ich von der Bank als Prämie für einen meiner Geschäftsabschlüsse bekommen hatte. Bislang hatte ich nie die Zeit für ein längeres Virtual-Reality-Abenteuer gefunden, sondern hatte mich nur ein wenig im Startbereich umgesehen, den erfahrene Spieler abschätzig als „Laufstall“ bezeichneten. Trotzdem war es mir immerhin gelungen, mit meinem Schurken Level 9 zu erreichen. Noch ein Level, dann könnte ich in die Hauptwelt.
Wieso also nicht?
Zumindest würde mich das ablenken und ein bisschen entspannen…

DAS HAUPTMENÜ von Türme der Macht empfing mich mit dem stummen Glanz einer Palasthalle. Mein Schurke tauchte wenige Meter über dem Steinboden auf und landete geschickt ohne das leiseste Geräusch. Ich war es, der sich von dort aufrichtete.

John Shadow, Schurke. Level 9
Stärke: 9
Beweglichkeit: 14
Konstitution: 11
Intelligenz: 10
Wahrnehmung: 11
Gesundheit: 99
Ausdauer: 103
Energie: 94
Schaden: 6-10
Tarnung: +9
Kritische Schäden bei Angriffen im Tarn-Modus, Hinterhalten oder Angriffen auf ein gelähmtes Ziel.

Manche Werte ließen sich im Zuge der Charakterentwicklung auf Kosten anderer erhöhen, aber davon hielt ich nichts. Zehn Punkte galten als Minimum und alles, was darunter lag, hatte erhebliche Einschränkungen zur Folge. Reduzierte man die Wahrnehmung, wurde man ein halbblinder Maulwurf, der nicht genau zielen konnte und nie im Leben einen kritischen Treffer landen würde, bei reduzierter Intelligenz konnte man nicht einmal die simpelsten Schlösser öffnen. Ein Schurke zeichnete sich nicht nur durch heimliche Angriffe aus, sondern war ein sehr vielseitiger Charakter. Genau das, was man brauchte, wenn man keine Freunde unter den Spielern und keinen Clan hatte.
Auf dem Boden leuchtete ein rotes Pentagramm. Ich trat hinein und fiel durch die Steine auf das unebene Pflaster des Platzes, in dessen Mitte der anmutige Turm der Macht in den Himmel aufragte.
Im Spiel war es später Abend. Über Old Gardens, der kleinen Stadt für neue Spieler, senkte sich rasch die Nacht. Das war gut, denn ein Schurke wie ich, dem es auf Tarnung ankam, konnte nichts besser gebrauchen als Dunkelheit.
Ich rückte meinen schweren Waffengurt zurecht, an dem ein Kurzschwert und ein Dolch hingen, und marschierte eine schmale Seitenstraße hinunter, die vom Platz wegführte. Der Ausgangsort war nicht besonders groß — für Neulinge interessant waren lediglich der Stadtpark mit seinen beiden Verliesen, der sumpfige Fluss und die Katakomben unter dem Kloster. Man konnte einige Quests für die Charaktere erledigen, die in der Stadt wohnten, doch für mich waren sie im Augenblick nicht von Interesse. Ich wollte nur etwas abschalten.
Im Laufen rupfte ich ein hellgrünes Blatt von einem Baum und zerrieb es zwischen den Fingern. Als ich daran schnupperte, stieg mir ein extravaganter, angenehmer Duft in die Nase. Alles in diesem Spiel wirkte vollkommen real, aber das überraschte mich nicht besonders — daran war ich gewöhnt. Türme der Macht verwendete anders als die Konkurrenzprodukte wie Schwerter & Feuer oder Distant Space eine patentierte Technologie, mit der die Spieler Informationen über die virtuelle Welt erfassen und kleinere Details selbst ergänzen konnten. Das Gehirn diente also im Prinzip als dedizierter Server, der die Prozessleistung der Gaming-Hardware verstärkte.
War der Duft von den Erschaffern der Spiels programmiert oder hatte ich ihn mir selbst ausgedacht?
Wer konnte das schon sagen?
Aber es spielte auch keine Rolle …

AUF DEM PLATZ vor dem Kloster waren ungewöhnlich viele Menschen versammelt und ein Mönch mit einem Stück Pergament in der Hand trat aus einer Gasse.
„Könnte der edle Herr den Stadtpark von dem Untoten befreien?“, fragte er mich, während er mir eine Karte entgegenstreckte.

Möchtest du die Quest „Boshafte Leiche“ annehmen?
[Ja /Nein]

Ich willigte ein, nahm die Karte und sah mir die Ziele genau an. Einfacher ging es kaum — ich musste lediglich die langsam umherwankende Leiche beseitigen, die ich auch ohne spezielle Quest schon häufiger in Stücke gehackt hatte.
Auf der Karte erschien ein grüner Punkt, der die Höhle markierte, die ich aufsuchen sollte, und ich machte mich auf den Weg in den Park. Der Mönch bat keine anderen Spieler um Hilfe, sondern kehrte zu meiner großen Erleichterung zurück in die Gasse.
Eine persönliche Quest? Das war einfach großartig!
Mir fehlten nur noch wenige Erfahrungspunkte, um Level 10 zu erreichen. Also hieß es, den Zombie zu erledigen, und dann nichts wie raus aus der Stadt, damit ich mich ausruhen konnte.

DER PARK WAR GROSS und ungepflegt. Ringsherum verlief ein heruntergekommener Zaun, in dem magische Kristalle mit gelbem Licht funkelten. Neben der Höhle mit dem einsamen Zombie gab es irgendwo zwischen den Bäumen den Eingang zu einem viel größeren Verlies, doch der Herrscher der Skelette, der tief darin hauste, konnte nur von einer großen Spielergruppe besiegt werden. Dort wagte ich mich niemals hin, sondern jagte lieber nur Füchse, Wölfe und gelegentlich einen Untoten.
Nachdem ich eine Steinbrücke über den ruhigen, kleinen Fluss mit seinem sumpfigen Ufer überquert hatte, aktivierte ich den Tarn-Modus und verschmolz mit den Schatten. Meine Energieanzeige bewegte sich sofort abwärts, und ich war froh, dass ich Intelligenz und Wahrnehmung nicht reduziert hatte, denn das hätte sich auf diesen Wert ausgewirkt.
Die Markierung auf der Karte führte direkt zu meinem Ziel, sodass ich nicht über die dunklen Wege wandern musste. Ich bog nur ein einziges Mal ab, als ich ein Kaninchen unter einem Baum entdeckte.
Dank meiner Tarnung konnte ich mich ganz dicht an das Tier anschleichen. Ich durchbohrte ihm mit dem Schwert das Rückgrat und tötete es mit dem ersten Angriff.

Kritischer Treffer! Schaden: 20
Das Kaninchen wurde getötet!
Erfahrung: +5 [1658/1730]

Zu schade, dass das bei Wölfen längst nicht immer klappte — Gehör und Geruchssinn waren bei diesen Raubtieren so gut, dass sie mich viel zu früh bemerkten.
Ich wartete kurz, tauchte dann wieder in den Schatten ein und bewegte mich durch das dichte Gebüsch unterhalb des Hügels auf das Verlies zu. Vorsichtig betrat ich den leeren Eingang zur Höhle und machte mich im schwachen Schein des Schimmels, der die Wände bedeckte, auf die Suche nach dem Kadaver.
Hier roch es ... ziemlich schlecht. Der Gestank von totem Fleisch und Verwesung stieg mir in die Nase.
In meiner Kehle regte sich ein unangenehmes Gefühl, doch ich konnte die Übelkeit schnell unterdrücken und stieg vorsichtig weiter über die menschlichen Knochen, die hier und da verstreut lagen. Ich durfte kein Geräusch verursachen.
Die wandelnde Leiche befand sich in einer entlegenen Ecke des Verlieses. Dick und aufgequollen stand sie neben einer versiegelten Kiste, in abgerissenen Lumpen, die ihre pustelnübersäte Haut nicht verbergen konnten.
Erneute brach eine Welle fauligen Gestanks über mich herein. Ich hielt den Atem an und schlich mit gezogenen Klingen in beiden Händen um die Leiche herum. Der leuchtende Schleim an den Wänden gab nicht genug Licht ab, doch meine Sinne waren so scharf, dass ich die weißen Knochen in der Dunkelheit schimmern sah und ihnen ausweichen konnte.
Die Leiche nahm mich nicht wahr und ich griff sie hinterrücks an, indem ich erst mit dem Schwert zustieß und direkt danach mit dem Dolch.

Die wandelnde Leiche wurde getötet!
Die Quest „Boshafte Leiche“ ist abgeschlossen!
Erfahrung: +350 [2008/2070]

Du steigst ein Level auf!

Ich entschied mich gegen neue Fähigkeiten, sondern erhöhte meine Beweglichkeit sowie meine Tarnung. Dann öffnete ich den hölzernen Deckel der Kiste. Plötzlich schnappten die Schatten des Verlieses als stählerne Fallen zu.

Schattenfallen: Du bist gelähmt!
Erlittener Schaden: 37 [73/110]

Ich versuchte, mich loszureißen, doch mein Körper gehorchte mir nicht.
„Viele Grüße von Kogan!“, flüsterte es hinter mir.

Erlittener Schaden: 37 [36/110]

„Du hättest den Mund halten sollen!“

Erlittener Schaden: 37 [0/110]
Du bist gestorben!

2

00:01:00... 00:00:59... 00:00:58..

DER TIMER ZÄHLTE LANGSAM die Zeit, bis ich wieder ins Spiel zurückkehren konnte, doch innerlich war ich vollkommen fassungslos. In meinem Kopf flatterten die Gedanken umher wie aufgeregte Spatzen.
„Was zum Teufel?“, rief ich ins Leere.
Meinte Kogan, er könnte mir Angst einjagen, indem er einen Charakter in einem virtuellen Spiel umbringen ließ? Was sollte dieser Irrsinn?
Oder war das nur eine Warnung? Ein Hinweis auf das, was mich in der Wirklichkeit erwartete?
Ich musste sofort meinen Anwalt anrufen!
Doch bevor ich ins Hauptmenü wechseln konnte, wurde ich wieder ins Spiel geworfen.

ES WAR DUNKEL und eng, und irgendetwas drohte, mir den Brustkorb zu zerquetschen.
Ich spannte die Muskeln an, versuchte, das Gewicht wegzudrücken, und meine Hand glitt durch ein bröseliges Hindernis. Ich versuchte, aufzustehen … und stellte fest, dass ich mich aus einem flachen Grab in der mir bereits vertrauten Höhle erhob, die in den Schimmer der schleimbedeckten Wände getaucht war.
Was ging denn hier ab? Wer im Startbereich starb, respawnte am Turm der Macht!
Offenbar hielt ich etwas umklammert. Ich sah genauer hin und schleuderte den Gegenstand von mir – es war ein menschlicher Schädel, kunstvoll aus hellem Stein geschnitzt. Nachdem ich den Schädel weggeworfen hatte, starrte ich fassungslos und angewidert meine Hand an. Meine dicken, plumpen Wurstfinger waren mit Pusteln und violetten Leichenflecken übersät.
Nein! Das konnte einfach nicht wahr sein!
Niemand starb in einem Spiel!
Ich blickte an mir hinunter und stellte fest, dass ich durch irgendeine Laune des Spiels im Körper einer wandelnden Leiche gefangen war. Als ich erschrocken zurückwich, stolperte ich über einen Knochen unter meinem Fuß und fiel hilflos zu Boden. Was zum Teufel war nur los?
Ich öffnete das Menü, starrte die ausgegrauten, inaktiven Tabs an, bis mir auffiel, dass es auch keinen Button zum Beenden gab! War das ein Fehler? Hatte man mich gehackt? Wurden die Spielserver gerade durchgestartet? Ich musste die Admins kontaktieren!
Eine Möglichkeit zum In-Game-Chat oder zum Versenden von Nachrichten war jedoch auch nicht mehr vorhanden.
Mich überkam schreckliche Panik, sodass ich meine aufgequollenen Finger zusammenpressen und mich mit aller Kraft beruhigen musste. Das war alles kein Problem! Alles kein Drama! Ich musste nur einen der anderen Spieler um Hilfe bitten, und sie würden sich mit den Admins in Verbindung setzen, um das Problem zu lösen.
Ganz simpel!
Irgendwie erhob ich mich vom Boden und wankte im unbeholfenen Zombie-Gang durch die Höhle. In der Dunkelheit fand ich mich einwandfrei zurecht, doch je näher ich dem hellen Licht am Ausgang des Verlieses kam, desto stärker verschwamm alles vor meinen Augen.
War denn schon wieder Tag? Hmm ... das war komisch.
Ich schirmte die Augen mit der Hand ab und trat unter den freien Himmel. Sofort fing meine Haut an, zu qualmen!

Helles Sonnenlicht! Wahrnehmung um 75 % reduziert!
Erlittener Schaden: 1 [22/23]
Ausdauer: -3 [17/20]

Ein unerträglich heller Schein durchschnitt alles, was mich umgab. Blindlings machte ich einen weiteren Schritt, in der Hoffnung, mich in den Schatten der Bäume zu retten, doch sofort wurde ich wieder von der Sonne getroffen. Verdammt! So weit würde ich niemals kommen!
Wieder stieg Panik in mir auf, ich musste also zurück zur Höhle. Als ich dort angekommen war, beruhigte ich mich ein wenig.
Es würde schon alles in Ordnung kommen! Es gab nichts zu befürchten. Früher oder später würde sich hier jemand blicken lassen. Dann würden wir uns unterhalten.
Plötzlich fiel ein Schatten über das Sonnenlicht, das von draußen in die Höhle schien — ich wandte mich um und nur deshalb tauchte der Level-3-Schurke neben mir auf und nicht in meinem Rücken. Ein Kurzschwert sauste auf mich zu, als ich den Angriff mit der linken Hand abwehrte und laut „Stopp!“ rief.
Statt Worten kam aber nur ein unverständliches Knurren aus meiner Kehle. Kurz darauf hieb die Klinge in mein Handgelenk und trennte die Hand komplett ab. Sofort hing mein Arm nutzlos an mir herunter.

Erlittener Schaden: 5 [16/23]
Linker Arm verletzt!

„Warte kurz!“, heulte ich, doch offenbar hörte der Schurke mich nicht.
Er hieb wieder auf mich ein. Ich ließ einen Angriff auf meinen Brustkorb zu, schwenkte zur Seite und schlug mit der rechten Hand nach ihm, doch ich konnte meinen wendigen Feind nicht einmal ansatzweise erwischen. In Sekundenschnelle raste die Klinge nieder und fuhr mir durch den Schädel. Die Schatten des Verlieses verschwammen zu undurchdringlicher Finsternis.

Du wurdest getötet!

DUNKELHEIT. GEWICHT. Das Rascheln herabfallender Erde.
Ich stieg aus dem Grab und schleuderte den Schädel, der in meiner Hand auftauchte, erneut angewidert von mir. „Du Dreckskerl!“, rief ich.
Doch aus meinem Mund ertönte nur ein kehliges Knurren, deshalb schlug ich mit meiner aufgequollenen Faust vor Wut so fest gegen die Wand, dass meine Eiterbeulen aufplatzten.
Was zum Teufel war das? Ich konnte doch wohl nicht vergessen haben, wie man spricht!
Eine schreckliche Erkenntnis durchzuckte mich. Ich öffnete das Menü, wählte „Charakterattribute“ aus und erstarrte vor Entsetzen, denn plötzlich wurde mir klar: Alles, was mit mir passierte, war kein zufälliger Fehler, sondern das Werk eines Hackers!

Wandelnde Leiche, Untoter. Level 1.
Stärke: 18
Beweglichkeit: 3
Konstitution: 23
Intelligenz: 1
Wahrnehmung: 5
Gesundheit: 23
Ausdauer: 20
Energie: 3
Schaden: 1-4

Verdammt! Der Hacker, der mich von Kogan gegrüßt hatte, hatte mir den Körper eines der Untoten verpasst, deren Intelligenz nur bei 1 lag! Dieser Zombie war nicht nur unterbelichtet, er war nicht mehr als ein Tier! Die Entwickler rieten dringend davon ab, die Intelligenz unter 5 Punkte fallen zu lassen, denn dann konnte ein Charakter nicht einmal Sprache verstehen. Mit nur 1 Punkt würde ich mich also mit niemandem verständigen können!
Verdammt noch mal. Der Hacker hatte sich nicht damit zufriedengegeben, mich im Spiel gefangen zu halten, sondern er verhinderte auch jede Interaktion mit anderen Spielern! Wie lange kann ein Körper ohne Nahrung und Wasser in einer Virtual-Reality-Kapsel liegen, bis er stirbt?
Zwei Tage? Drei Tage?
Normalerweise würde das Spiel dann von einer Timer abgeschaltet, aber ich war mir sicher, dass mein Angreifer sich auch darum gekümmert hatte.
Der Störfall im Datenzentrum war also bestimmt kein Unfall gewesen.
Alles war von langer Hand geplant! Sie zerstörten die Beweismittel und schafften den Hauptzeugen aus dem Weg …
Ich knurrte und wankte zitternd und unbeholfen auf den Ausgang aus dem Verlies zu. Die geringe Beweglichkeit machte mir sehr zu schaffen, meine schreckliche Unbeholfenheit wurde auch durch die eher guten Werte bei Stärke und Konstitution nicht wettgemacht.
Fest entschlossen trat ich aus der Höhle ins Freie. Diesmal stach mir das Licht nur in den Augen, brannte aber nicht auf meiner blasenübersäten Haut.

Gedämpftes Sonnenlicht! Wahrnehmung um 50 % reduziert!
Ausdauer: -2 [18/20]

Alles um mich herum verschwamm und wurde in einen weißlichen Schleier getaucht, doch ich wankte unbeirrt weiter über die Lichtung auf die Bäume zu. Ein Schritt, dann noch einer, während die Ausdauer-Anzeige sich unaufhaltsam nach links bewegte. Noch ein Schritt, noch einer und dann noch einer … Endlich konnte ich mich in den Schatten der Bäume retten, doch dort erwartete mich eine neue Überraschung. Wie immer eine unangenehme.

Diffuses Sonnenlicht! Wahrnehmung um 25 % reduziert!
Ausdauer: -1 [3/20]

Mein Versuch, mich unter das breite Blätterdach einer Eiche zu begeben, blieb erfolglos. Ich hatte erst die Hälfte der Strecke geschafft, als die Sonne meine restliche Ausdauer verbrannt hatte, sodass ich inmitten der Baumgruppe stehenblieb, als hätte man mir den Stecker gezogen. Meine Ausdauer wurde zwar mit der Zeit wiederhergestellt, doch bevor ich überhaupt einen Schritt tun konnte, reduzierte die Sonne sie wieder auf 0. Musste ich wirklich warten, bis es dunkel wurde?
Die Zeit verrann! Wie lange war mein Körper bereits in der Kapsel?
Plötzlich hörte ich ein Rascheln — auf dem Boden entdeckte ich ein Kaninchen, das sich furchtlos in die Nähe des reglosen Untoten gewagt hatte. Kaum hatte ich wieder einen einzigen Ausdauerpunkt, packte ich das Tier, drückte es mir an die Brust und drehte ihm mit meinen ungeschickten, aber kräftigen Fingern den Hals um. Das Kaninchen zitterte und fiel in sich zusammen, bevor ich Knochen knacken hörte. In meinen Händen blieb nur eine Fellhülle voller Knochen zurück.

Todesgriff!
Energie: -3 [0/3]
Ausdauer: +3 [3/20]

Das Kaninchen wurde getötet!
Erfahrung: +5 [5/100]

Ich verschwendete keine Zeit und wankte auf die Eiche zu, stolperte über eine Wurzel, stürzte und kroch auf allen Vieren weiter, ohne überhaupt zu versuchen, mich auf die Füße zu erheben. Im dichten Schatten wurde meine Ausdauer nicht mehr weggebrannt, also kauerte ich mich unter den Baum und versuchte, zu begreifen, was geschehen war.
Hatte ich Erfahrungspunkte gesammelt? War das bei NPCs überhaupt möglich?
Ein Blick auf meine EP-Leiste bestätigte das. Ich brauchte nur noch weitere 95 Erfahrungspunkte, um das nächste Level zu erreichen. Damit könnte ich meine Intelligenz um eine Stufe erhöhen!
Also noch neunzehn Kaninchen? Nun, das war nicht unmöglich. Mir blieb sowie nichts anderes übrig.
Ich erhob mich mühsam und stürzte fast wieder zu Boden, weil sich mir ein Pfeil in die Schulter bohrte.

Erlittener Schaden: 6 [17/23]

Als ich mich umdrehte, stand ich einem Level-5-Ranger gegenüber, der eine grüne Jacke, enge Leggings und hohe Stiefel trug, hatte einen weiteren Pfeil in der Brust und versuchte, mich mit den Armen zu schützen.
„Nicht schießen!“
Mein unverständlicher Klageruf zeigte keine Wirkung, der Spieler hob schon wieder den Bogen. Weglaufen konnte ich nicht, deshalb bückte ich mich und torkelte auf den Schützen zu. Ich erreichte ihn, drehte mich zur Seite und versuchte, ihn mit der leeren Hand zu treffen, doch ich verfehlte ihn und hob erneut den Arm. Wieder daneben. Der Ranger legte den Bogen weg und zog seinen Dolch, kassierte einen Hieb ins Gesicht, ohne den einen, jämmerlichen Schadenspunkt zu beachten, den ich ihm abzog, während er selbstsicher die Klinge in mein eitergefülltes Auge stieß.

Kritischer Treffer!
Du wurdest getötet!

Dunkelheit, das Gewicht loser Erde und der Gestank des Verlieses. In meiner Hand wieder der Schädel, der mir mittlerweile richtig auf die Nerven ging. Ich schleuderte ihn mit aller Kraft an die Wand und heulte vor Enttäuschung und Scham auf.
Das Pulsieren in meinem verletzten Auge erinnerte mich an mein kürzliches Ableben, während mein ganzer Körper wehtat, als wäre er in Stücke gerissen und ungeschickt wieder zusammengesetzt worden.
Tot zu sein war sehr unangenehm. Ich verspürte zwar keinen Schmerz, wenn Klingen in meinen Körper eindrangen, doch jeder Tod kostete mich wertvolle Zeit, deshalb wollte ich auf keinen Fall noch einmal sterben. Ich würde mich nicht mehr mit Pfeilen durchbohren, in Stücke hacken oder mir den Schädel mit einem Hammer einschlagen lassen.
Jetzt würde ich die Spieler jagen!
Ich öffnete die Beschreibung meines untoten Charakters, stellte jedoch nur eine positive Eigenschaft fest, nämlich ein neutrales Verhältnis zu anderen Untoten und Immunität gegen Todeszauber, Gift, Verfluchung, Bluten und aus unerklärlichen Gründen gegen Bannflüche. Dagegen zeigten leider auch Segen und Heilungen keine Wirkung. Mein Todesgriff würde mir im Kampf gegen andere Spieler auch nicht helfen, da er keinen körperlichen Schaden zufügte, sondern das Opfer nur Ausdauer kostete.
Waffen! Waffen brauchte ich dringender als das Leben selbst! Mit bloßen Händen konnte man höchstens Kaninchen besiegen.
Hoffnungsvoll öffnete ich den Deckel der Kiste, fand darin aber nur eine Handvoll Kupfermünzen. Ich suchte in der Höhle, doch auch das blieb ohne Erfolg. Dann jedoch knackten ein paar Knochen unter meinen Füßen, also hob ich eins der Stücke auf und traute meinen Augen kaum.

Scharfer Knochen
Schaden: 1-2
Zusätzlicher Schaden durch Leichengift: 3 Sekunden lang 1 pro Sekunde
Haltbarkeit: 2

Das war doch schon mal etwas. Obwohl ich das Knochenstück mit meinen aufgequollenen Fingern kaum richtig packen konnte, gelang es mir schließlich, mich zu bewaffnen. Dann ging ich auf den Ausgang zu, an dem die Spieler eine Zeitlang stehenbleiben würden, um sich an das schwache Licht im Verlies zu gewöhnen. Ich quetschte mich in eine kleine Nische und wartete reglos auf mein erstes Opfer. Erstaunlicherweise war es nicht schwer, ganz still dazustehen, obwohl die Gefühle in mir hochkochten.
Wie stand es um meinen echten Körper? Wie viel Zeit blieb mir noch? Würde ich aus diesem verfluchten Spiel entkommen können oder hatte der Hacker diese Option vollkommen deaktiviert? Und wo waren die anderen Spieler, verdammt noch mal!
Wie als Antwort auf meinen stummen Fluch bemerkte ich einen Schatten. Im Höhleneingang erschien ein unglaublich großer Priester in einem langen, ärmellosen Kettenpanzer mit einem Morgenstern im Gürtel.
Level 6! Verdammt!
Allerdings zog ich mich nicht zurück, sondern wankte aus der Nische und hieb ihm den Knochen so fest wie möglich in seinen dürren Hals. Der Treffer war gut, so gut, dass ein dichter Blutstrahl aus der Wunde schoss.

Kritischer Treffer! Schaden: 32

Der Priester schwankte, drehte sich um und ließ einen weiteren Angriff zu — der Knochen schnitt ihm die Schläfe auf, was ihn weitere acht Punkte Gesundheit kostete. Zu schade, dass ich nicht sein Auge getroffen hatte!
Rund um den Charakter des Spielers erschien ein grelles Licht, doch bevor der Priester seinen Zauber aussprechen konnte, zeigte das Leichengift Wirkung. Der Heilzauber löste sich spurlos auf!
Ich zielte mit dem Knochen auf das Auge meines Gegners, verfehlte es jedoch, während der verblüffte Spieler ein zweites Mal vergeblich versuchte, seinen Priesterzauber einzusetzen. Das Gift störte seine Konzentration und verursachte zusätzlichen Schaden.
Der Priester wollte den Rückzug antreten, deshalb packte ich ihn mit der freien Hand, um ihm den Knochen fest in den Körper zu bohren, direkt oberhalb dem Kragen des Kettenhemds. Zu meiner Überraschung gelang es mir tatsächlich — die Ausweichfähigkeit meines Gegners war nicht besonders hoch. Und offenbar hatte er es nie für nötig gehalten, seine Beweglichkeit zu erhöhen ...
Der nächste Hieb traf auf die Eisenringe des Kettenhemds, der Knochen zersplitterte. Endlich kam der Priester zu sich und schwang seinen Morgenstern. Sein erster Treffer kostete mich ein Viertel meines Lebens, dann tauschten wir ein paar Schläge aus, doch Fäuste konnten gegen einen Morgenstern nicht besonders viel ausrichten. Sofort sank meine Gesundheit in den roten Bereich.
Glücklicherweise fügte das Leichengift meinem Gegner weiter Schaden zu, sodass er in Panik geriet. Statt weiter auf mich einzuschlagen, zog er ein Fläschchen mit Lebenselixier aus der Tasche. Ich packte seine Hand, damit er seine Gesundheit nicht wiederherstellen konnte. Nach einem kurzen Kampf konnte ich ihm ins Handgelenk beißen, doch sein Lederärmel war so fest, dass meine Reißzähne einfach aus meinem verfaulten Zahnfleisch fielen.
Das war jedoch egal. Ein kurzer Schauer durchlief den Priester, er stürzte zu Boden, das Gift hatte ihn erledigt.

Spieler Faroukh der Helle wurde getötet!
Erfahrung: +120 [125/200]
Du steigst ein Level auf!

Mich überkam die Euphorie, die ich immer verspürte, wenn ich ein neues Level erreichte, und schnell öffnete ich das Menü mit den Attributen meines Charakters. Ja! Ich konnte einen Punkt frei vergeben und das Menü funktionierte!
Den schwer verdienten Punkt setzte ich auf Intelligenz, meine weiteren Fähigkeiten musste ich nicht verändern. Der Todesgriff verbesserte sich automatisch und raubte seinem Opfer jetzt doppelt so viel Ausdauer.

Wandelnde Leiche, Untoter. Level 2.
Stärke: 18
Beweglichkeit: 3
Konstitution: 23
Intelligenz: 2
Wahrnehmung: 5
Gesundheit: 46
Ausdauer: 41
Energie: 7
Schaden: 1-4

Natürlich war ich noch lange keine Kampfmaschine, aber immerhin auch kein Punchingball mehr. Mein Gesundheitswert war für den Laufstall gar nicht so schlecht. Außerdem wollte ich unbedingt eine einigermaßen normale Waffe.
Zu meiner großen Enttäuschung konnte ich nur das Fläschchen mit dem Heiltrank von dem getöteten Spieler mitnehmen. Ohne große Hoffnung goss ich mir den Inhalt in den verkrusteten Mund, doch wie erwartet tat sich nichts.
Interessant. Wie heilt man die Toten?
Ich warf das leere Fläschchen weg und kehrte in den hinteren Teil der Höhle zurück, wo ich lange im Knochenhaufen herumsuchte. Einen vergifteten Knochen konnte ich leider nicht finden, sondern musste mich mit einem einfachen, spitzen Stück begnügen, das aber immerhin einen Schaden von 1 – 3 verursachte.

ALS ICH AUS dem Verlies kam, wurde es im Park bereits dunkel, sodass sich meine Wahrnehmung nicht reduzierte. Zwischen den Bäumen flossen dunkle Schatten zusammen, als ich durch das Gebüsch auf einen der Wege abbog und auf das Tor zu stapfte. Mein Wiedergänger setzte unbeholfen einen Fuß vor den anderen und schwankte von einer Seite auf die andere, doch allmählich gewöhnte ich mich daran, wie sich diese groteske Figur bewegte, und erreichte rasch den eisernen Zaun.
Ich weiß nicht, was ich mir davon versprach, aus dem Park herauszukommen. Dachte ich, ich könnte das Spiel verlassen, in meinen eigenen Körper zurückkehren, mit jemandem reden, und sei es nur ein NPC?
Nichts davon geschah. Ich erreichte nicht einmal das Tor. Kaum kam ich in seine Nähe, erstrahlten die magischen Kristalle auf dem Zaun in gleißend hellem Licht und stießen elektrische Blitze aus.
Eine Sekunde später war ich durchgegrillt …

DUNKELHEIT UND EIN FLACHES GRAB, oberflächlich mit Erde bedeckt. Der nervige Schädel war wie immer in meiner Hand.
Außer mir vor Wut wankte ich auf den Höhlenausgang zu und schleuderte das steinerne Ding mit den gebleckten Zähnen ins Gebüsch.
Ich war es wirklich leid!
Der Knochen, den ich mir beim letzten Mal ausgesucht hatte, befand sich noch in meinem Inventar, also musste ich nicht in der Höhle nach einer Waffe suchen, sondern machte mich auf in den Wald. Mittlerweile war es stockdunkel und der Wahrnehmungs-Bonus, den die Untoten in der Nacht hatten, machte sich bemerkbar.
Mir fehlten nicht mehr besonders viele Erfahrungswerte, um Level 3 zu erreichen, deshalb beschloss ich, Spielern aus dem Weg zu gehen und lieber Tiere zu jagen. Ein Untoter konnte es leicht mit einem Fuchs aufnehmen und sollte auch einen Wolf erledigen können. Ich hatte eine ganze Menge Gesundheit, deshalb war es schade, dass der Mangel an Treffsicherheit alles zunichtemachte.
Diesmal ging ich nicht auf den Zaun zu, sondern in die andere Richtung, und gelangte zum sumpfigen Flussufer. Ein gewundener Pfad führte mich zu einem Baumstamm, der über dem Gewässer lag, und leichtsinnerweise versuchte ich, ihn zu überqueren. Allerdings war ich so unbeholfen, dass ich schon mit dem zweiten Schritt im Wasser landete.
Der Fluss erwies sich als ungewöhnlich tief, die Wasseroberfläche lag ein ganzes Stück über mir. Ich stellte mich schon darauf ein, wieder zu sterben, als ich bemerkte, dass ich mich gar nicht unbehaglich fühlte. Ach ja. Tote mussten ja nicht atmen!
Es dauerte eine Weile, bis ich mühsam wieder ans trockene Ufer geklettert war, aber ich trug keine Verletzungen oder Wunden davon. Ich war gefallen, aber egal, das spielte keine Rolle. Das sollte ich mir für später merken. Vielleicht würde ich irgendwann einmal vor anderen Spielern davonlaufen? Tja, falls ich tatsächlich ein Level von mehr als 10 erreichte, würden die Anfänger vor mir davonlaufen!
Im Augenblick wollte ich dringend wissen, wie viel Zeit mir noch blieb, bevor ich im echten Leben sterben musste. Wie lange saß ich bereits in der Virtual-Reality-Kapsel?
Meine Stimmung war auf dem Nullpunkt, schlechter konnte sie eigentlich nicht werden. Doch leider geht es immer noch schlimmer …

ALS VOR MIR AM FLUSS ein Hügel auftauchte, bog ich ab und ging über eine sumpfige Wiese, auf der Schlangen umher krochen und Blumen in der Nacht leuchteten, bis ich einen Ring aus steinernen Menhiren erreichte, die in den Boden gegraben waren.
Plötzlich schoss neben mir ein Blitz hoch und ich erstarrte. Meine Füße versanken langsam im weichen Boden, doch ich blieb reglos stehen und verfluchte meine schlechte Wahrnehmung.
Was war da los? Verdammt, ich konnte nichts erkennen!
Noch ein Blitz, dann ein Heulen und ein Aufschrei!
Sobald der Lärm verebbt war und der sanfte Schein eines Heilzaubers aus dem Steinkreis leuchtete, befreite ich mich aus dem klebrigen Morast und schlug einen großen Bogen. Bald lag der Sumpf hinter mir und vor mir war ein lückenhafter Zaun mit schiefen Pfosten zu sehen.
Ein verlassener Friedhof!
Wieder durchzuckte ein Kampfzauber die Dunkelheit, als ein Paladin in Rüstung durch das Tor schritt. In einer Hand hielt er ein Schild, in der anderen ein Langschwert. Level 10, das erkannte ich sofort, während der Krieger einen der Grabsteine umtrat, sich umdrehte und vom Friedhof flüchtete. Erdklumpen explodierten und flogen rings umher, als ein Ghul sich aus dem Grab erhob, weil der Lärm ihn gestört hatte.
Die menschenähnliche Kreatur mit gefährlichem Gebiss und scharfen Krallen jagte dem Eindringling hinterher, der ihre Ruhe gestört hatte, doch der Paladin lief nicht weiter, sondern lauerte der Bestie außerhalb des Friedhofs auf. Als ich das Tor erreichte, wehrte der Ritter die Angriffe des Ghuls mühelos mit seinem Schild ab, während zwei Level-9-Bogenschützen vom Volk der Elfen das untote Geschöpf in ein Nadelkissen verwandelten. Die Kreatur schlug wild um sich und sprang hin und her, sodass sie den Spieler ab und an mit den Krallen erwischte, dann musste ein Heiler mit grauem Umhang und spitzem Hut die Gesundheit des Kriegers wiederherstellen.
Die Idee war sehr gut, aber ich hatte einen noch besseren Plan.
Ich stieg durch ein Loch im Zaun auf den Friedhof und machte mich daran, einen Grabstein nach dem anderen zu rütteln und umzustoßen. Die Ghule, die daraus hervorkamen, fletschten zornig ihre schrecklichen Zähne und suchten zwischen den Gräbern irritiert nach Beute, ohne meine wandelnde Leiche in irgendeiner Weise zu beachteten.
Neutralität unter Untoten!
Ich hatte bereits zehn oder elf Grabsteine umgestoßen, als der Paladin zurückkam. Sofort wollte er flüchten, doch es war zu spät — die wilde Meute entdeckte den Menschen und rannte ihm hinterher. Ich konnte mit ihnen nicht Schritt halten und als ich endlich zurück in den Steinkreis gewankt kam, war bereits eine richtige Schlacht im Gange.
Die Bogenschützen, die keine Rüstung trugen, wurden im Handumdrehen in Stücke gerissen, während der Paladin geschickt das Schwert schwang und für sein Level erstaunliche Schäden anrichtete. Der Heiler versorgte seinen Begleiter mit einem Heilzauber nach dem anderen.
Das eingespielte Team hatte gute Aussichten, die Schlacht zu gewinnen, doch plötzlich raste ein Ghul, der sich aus der Meute gelöst hatte, auf den Zauberer los. Ein einziger Hieb mit der Klauenhand kostete die mickrige Gestalt die Hälfte ihrer Gesundheit, sodass sie den von Untoten umringten Paladin nicht mehr unterstützen konnte.
Ein Kugelblitz aus dem Stab des Heilers traf einen Ghul und grillte ihn auf der Stelle. Jetzt ging ich zum Angriff über — diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen.
Ein Schritt, zwei Schritte, Stich!
Der spitze Knochen glitt mühelos durch den Umhang des Zauberers und bohrte sich tief in sein menschliches Fleisch. Der Getroffene drehte sich um und wollte einen Zauberspruch rufen, also hieb ich ihm den Knochen in den geöffneten Mund.

Kritischer Treffer! Schaden: 28
Feind überwältigt!
Waffe zerstört!

Der Magier fiel auf den Boden, er drohte am eigenen Blut zu ersticken. Ich beugte mich über ihn, um ihm den Rest zu geben, doch nun zeigte der Paladin seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Er warf sein Schild zur Seite, packte das Schwert mit beiden Händen, hob es hoch über den Kopf und ein gleißender Blitz stürzte vom Himmel. Die Ghule wurden in alle Richtungen geschleudert, ich selbst war gelähmt.

Himmelsschwert: Verteidigung fehlgeschlagen!
Ausdauer: 0/41

Ich lag zusammengekrümmt auf dem Boden und konnte weder Hände noch Füße bewegen, als der Paladin direkt auf mich zukam, ohne den Ghulen Beachtung zu schenken. Der Spieler hatte in der Schlacht mit den Untoten schwer gelitten, seine Rüstung war verbeult und blutbespritzt, sodass sich der Paladin langsam und schwerfällig bewegte. Hinter dem Schlitz in seinem Helm loderte ein dunkles Feuer. Der Kämpfer sammelte kurz seine Kraft, packte das Langschwert wieder mit beiden Händen und hatte es bereits über den Kopf gehoben, als das Icon mit der Fähigkeit Todesgriff vor meinen Augen erschien.
Der bewusstlose Zauberer war leichte Beute, seine Ausdauer konnte ich leicht aus ihm heraussaugen. Meine Lähmung verschwand, sodass ich aufstand und mit der Faust durch die Kehle des Magiers hieb.
Einen Augenblick später stürzte das Schwert herab, die lange Klinge schlug mir auf der Stelle den Kopf ab. Vor meinen Augen drehte sich alles, als mein Schädel über den Boden rollte!
Sofort umgab mich wieder die vertraute Dunkelheit.

3

DUNKELHEIT, LOCKERE ERDE und Baumwurzeln. Baumwurzeln?
Ich kroch aus dem flachen Grab und stellte zu meiner Überraschung fest, dass ich mich nicht in der Höhle, sondern im Gebüsch am Rande der Wiese wiederfand, in das ich den nervigen Schädel geschleudert hatte.
Auch der Steinschädel lag wieder in meiner Hand. Bestimmte er wirklich darüber, wo ich zum Leben erwachte? Über diese Frage wollte ich jetzt nicht nachgrübeln, denn die Sonne ging bereits auf und meine Haut fing im hellen Licht schon an zu dampfen. Ich musste im dichten Schatten unter dem Blätterdach der Eiche Zuflucht suchen. Dort angekommen öffnete ich den Game Log und stieß ein glückliches Knurren aus.

Du steigst ein Level auf!

Ich hatte nicht nur Erfahrungspunkte für das Töten des Heilers bekommen — auch für die Bogenschützen, die von den Ghulen zerfetzt worden waren, gab mir das Spiel Erfahrung, als wäre ich der Anführer der Meute gewesen. Dadurch sprang ich sofort von Level zwei auf fünf! Schnell investierte ich die drei freien Attributpunkte in Intelligenz und bewunderte das Ergebnis.

Pestverseuchte Leiche, Untoter. Level 5
Stärke: 18
Beweglichkeit: 3
Konstitution: 23
Intelligenz: 5
Wahrnehmung: 5
Gesundheit: 115
Ausdauer: 102
Energie: 25
Schaden: 1-4

Wow! Ich war keine Wandelnde Leiche mehr, sondern eine Pestverseuchte Leiche, und mein Todesgriff kostete meine Opfer jetzt nicht nur Ausdauer, sondern auch Lebenskraft! Außerdem war eine neue Fähigkeit namens „Aura der Angst“ erschienen. Besonders stark verändert hatte sich jedoch mein Aussehen. Mein Körper war nicht mehr aufgequollen, die nässenden Pusteln waren abgetrocknet und stellenweise Leichenflecken gewichen. Bei Sonnenlicht reduzierte sich meine Wahrnehmung nun um 5 % weniger, doch vor allem sahen meine Finger nicht mehr wie zu lange gekochte Würstchen aus, sondern konnten sich richtig biegen.
Ich war wirklich froh, dass ich von einer Wandelnden Leiche zu einer Pestverseuchten Leiche aufgestiegen war, aber ich verspürte auch allmählich Hunger. Das war nicht im Spiel — offensichtlich wollte mein Gehirn mir mitteilen, dass mein echter Körper Nahrung brauchte.
Leider ließ sich da im Augenblick nichts machen. Oder vielleicht doch? Mittlerweile reichte meine Intelligenz zum Sprechen aus. Worauf wartete ich also?
Nachdem ich den geheimnisvollen Schädel zwischen den Wurzeln der Eiche versteckt hatte, nahm ich den nächstgelegenen Pfad. Obwohl ich mich sehr bemühte, im Schatten zu bleiben, damit die Sonnenstrahlen meine Haut nicht verbrannten, verlor ich trotzdem einige Gesundheitspunkte und ein Drittel meiner Ausdauer.
Ich hatte sogar die Idee, mir einen Umhang zu besorgen, aber darüber dachte ich nicht weiter nach. Wenn es mir gelang, mit einem Spieler zu sprechen, wäre das nicht mehr nötig.
Erstaunlicherweise stieß ich jedoch nicht auf andere Spieler. Mir begegnete lediglich eine hübsche Elfe am Tor zum Park, deren grüne Kleidung wie eine zweite Haut an ihrem wohlgeformten Körper lag.

Eladriel Emeraldvine, Elfe. Druidin, Level 8

Ich streckte die Hände aus und stammelte rasch: „Ich will dir nichts tun! Ich bin auch ein Spieler und brauche Hilfe!“
Nun war kein Heulen und kein unverständliches Stöhnen mehr zu hören. Ich sagte genau das, was ich sagen wollte – doch leider in einer unbekannten Sprache!
Kehlige Geräusche, kurze Sätze und fremde Sprachmelodie. Wenn ich nicht tot gewesen wäre, hätten mir die Haare zu Berge gestanden.
Die Elfe reagierte sofort. Sie warf eine grüne Kugel nach mir und packte mit beiden Händen ihren Kampfstab.

Wachsende Dornen: Verteidigung fehlgeschlagen!
Erlittener Schaden: 2... 4... 8...

Ein wild aussehender Kämpfer kam unverhofft von der Seite angesprungen, hob seine Keule und rief der Elfe zu: „Überlass das mir! Geh weg!“
Ich entschied mich gegen den aussichtslosen Kampf und sprang ins Gebüsch, stürzte jedoch und wand mich nach zwei Schritten in Krämpfen. Schmerzen verspürte ich nicht, doch in mir wuchs etwas Fremdartiges. Meine Haut schwoll an und die stacheligen Triebe eines Dornbusches platzten hervor.

Erlittener Schaden: 64
Du wurdest getötet!

Erde, harte Eichenwurzeln und Blätterrauschen über meinem Kopf.
Diesmal respawnte ich im Wald, genau dort, wo ich den Schädel versteckt hatte. Als ich aus dem Grab stieg, fielen mir mit Schaudern die Dornen wieder ein, die meine Innereien durchbohrt hatten, und ich beschloss, mir einen besseren Unterschlupf zu suchen. Zum Glück hatte der Wind Wolken herbeigetrieben, der Himmel war bedeckt. Zuallererst fiel mir der verlassene Friedhof ein, deshalb machte ich mich mit dem Schädel auf den Weg dorthin. Die ganze Zeit über beschäftigte mich die Frage: „Was ist nur schiefgegangen?“
Wieso redete ich nicht normal, sondern so ein Kauderwelsch? Was war das für eine Sprache? Wieso sprach ich sie? An mangelnder Intelligenz lag es eindeutig nicht.

LAUTE RUFE und das Klirren von Stahl lenkten mich von meinen düsteren Gedanken ab. Vorsichtig wagte ich mich an den Rand des Waldes und erkannte sofort, dass der verlassene Friedhof als Unterschlupf nicht infrage kam. Ein halbes Dutzend Spieler war dabei, ihn methodisch von Ghulen zu befreien, indem sie ein Grab nach dem anderen untersuchten. Im Sonnenlicht waren die Untoten den Menschen nicht gewachsen. Wieder und wieder ertönten ihre Schreie.
„Der gehört mir!“
„Rühr ihn nicht an!“
„Überlass ihn mir!“
„Verschwinde, Noob!“
Die Neulinge wetteiferten miteinander, riefen und fluchten. Den einsamen Untoten im Gebüsch beachtete niemand. Ich zog mich zurück, doch plötzlich erschien ein roter Punkt auf der Karte. Einer der Spieler hatte ein Haustier und der kleine Köter rannte wild kläffend direkt auf mich zu.
Im Wald konnte ich mich auf keinen Fall vor einem Hund verstecken, also musste ich in den Sumpf flüchten. Schon bald verstummte das Gebell, doch zu meiner Überraschung hatte ich den Fluss erreicht und musste nun am Ufer entlanglaufen.
Das Sonnenlicht, das durch die Wolken fiel, zehrte meine Ausdauer beunruhigend schnell auf. Ich hätte zwar untertauchen und im Wasser auf den Einbruch der Dunkelheit warten können, aber ich wollte keine Zeit verlieren. Als vor mir am Flussufer ein Hügel mit einer Art Ruine auf der Kuppe auftauchte, machte ich mich sofort auf den Weg dorthin, um mich vor den brennenden Strahlen zu schützen.
Ich schaffe es nur mit Mühe, den Abhang hochzusteigen. Ich befürchtete schon, ich müsste dort liegen bleiben, doch nein, irgendwie gelang es mir, mich in den Schatten einer verfallenen Mauer zu kauern. Dort saß ich eine Weile und wartete, bis meine Ausdauer wieder so weit hergestellt war, dass ich die Ruinen erkunden konnte.
In der Mauer auf der Flussseite befand sich ein zerbrochenes Tor. Sobald ich hindurchtrat, gab eine Steinplatte unter meinem Fuß nach, während ein unangenehmes metallisches Quietschen ertönte. „Eine Falle!“, schoss mir durch den Kopf, als ein an Ketten aufgehängter Baumstamm auf mich zugerast kam, gegen meine Brust prallte und mich den Hügel hinab schleuderte. Auf der Stelle verlor ich die Hälfte meiner Gesundheit, stürzte mit einem lauten Platschen ins Wasser und sank wie ein Stein zu Boden.
Ich kämpfte eine Weile gegen den Schlamm an, doch dann beruhigte ich mich, kam wieder zu Kräften und kletterte ans Ufer, über und über mit Unkraut und Schleim bedeckt. Ich traute meinen Augen nicht — der Fluss hatte die Böschung weggespült und eine grob gemauerte Steinwand freigelegt. Noch dazu befand sich in der Wand ein schwarzes Loch.
Knietief im Schlamm stieg ich durch die Rohrkolben und betrat das angenehm düstere Verlies. Es war geräumig und leer, bis auf eine stahlbeschlagene Kiste, an der ein großes Vorhängeschloss angebracht war. In der Nähe befand sich eine Treppe, doch der Weg nach oben war durch eingestürzte Mauern versperrt, während der untere Bereich vom Fluss überspült wurde, sodass die schleimigen Stufen ins Wasser führten.
Neben der Treppe lag eine dunkle Nische mit einer kleineren Holzkiste. Diese war nicht verschlossen, ich konnte sie sofort öffnen und ein Dutzend Goldmünzen, einen nicht identifizierter Zauberarmreif, ein verschlissenes Kettenhemd und ein rostiges Messer an mich nehmen, das 1-2 Schadenspunkte zufügen konnte.
Das Kettenhemd hatte zahlreiche Löcher und bot keinen besonders guten Schutz gegen Stiche oder stumpfe Waffen, aber ich legte es ohne Zögern an. Immerhin eine Art Rüstung!
Als Nächstes versteckte ich den verzauberten Schädel in einem Steinhaufen und machte mich mit dem Messer am Schloss der großen Kiste zu schaffen, leider ohne Erfolg. Ich drehte noch eine Runde durch das Verlies, konnte jedoch keine geheimen Gänge fingen und ging zurück zum Loch in der Wand. Draußen fing es an zu regnen. Das schlechte Wetter wollte ich nutzen, um in den Wald zu kommen.
Ich brauchte nicht mehr viel zusätzliche Erfahrung, um das nächste Level zu erreichen, und je höher ich mit meiner pestverseuchten Leiche aufstieg, desto besser waren meine Chance, zu überleben ... wenn ich noch mal mit einem anderen Spieler sprach.
In der Nähe des Abhangs befand sich eine mit Rohrkolben bewachsene Sandbank, über die ich den bereits vertrauten Sumpf erreichte. Dort sicherte ich mir fünfzig Erfahrungspunkte, indem ich mit meinem neuen Messer Schlangen aufschlitzte. Schon bald war die Karte mit zahlreichen roten Punkten übersät, also musste ich vor den giftigen Kreaturen flüchten, die über mein Eindringen sehr erbost waren. Schlangengift zeigte bei mir zwar keine Wirkung, doch jeder Biss kostete mich 1 oder 2 Gesundheitspunkte, die sich im Gegensatz zur Ausdauer nicht von selbst wiederherstellten.
Wie konnte ich mich nur heilen? Zur Hölle damit.
In einigem Abstand vom Friedhof ging ich tiefer in den Wald und stieß fast sofort auf einen tollwütigen Fuchs. Das Raubtier sprang mich an und verbiss sich in meinem Bein.
Ich fletschte die Zähne, packte den Fuchs im Nacken und setzte den Todesgriff ein.

Energie: -11 [14/25]
Gesundheit: +11 [34/115]
Ausdauer: +11 [102/102]

Jetzt war ich geheilt.
Ich investierte noch weitere elf Einheiten Energie, tötete damit den Fuchs und ging weiter. Die Erfahrung, die ich dafür bekam, reichte nicht aus, um Level 6 zu erreichen, aber auf meinem weiteren Weg entdeckte ich keine kleinen Waldbewohner mehr, und um den Bären, den ich sah, machte ich einen großen Bogen. Er hätte einen Untoten mit Leichtigkeit in Stücke reißen können.
Der Regen wurde heftiger und es begann zu dämmern. Damit wurden mir zwar keine Wahrnehmungspunkte mehr abgezogen, aber ich konnte auch nur noch wenige Schritte weit sehen. Ich verließ den dichten Wald, bog auf einen Pfad ab und stieß unverhofft auf einen Zauberer.
Der große, dünne und blasse Nekromant schickte sofort einen Kampfzauber in meine Richtung, doch die Steinkugel zerbarst in geisterhafte Scherben, ohne mir Schaden zuzufügen.

Untote kommandieren: Immunität

„Stopp!“, rief ich, als der Level-9-Nekromant seinen Stab hob, an dessen Spitze ein bedrohlicher Stahlhaken saß. „Warte!“
„Ein sprechender Untoter?“, fragte der Nekromant erstaunt, senkte die Waffe jedoch nicht. „Was willst du, Kreatur?“
Der Nekromant und ich sprachen beide die seltsame kehlige Sprache, konnten uns jedoch einwandfrei verständigen. Er verstand mich und ich verstand ihn!
Was konnte ich sagen, um den Spieler nicht zu verschrecken oder zum Angriff zu veranlassen? In meinem Kopf schwirrte alles durcheinander und ich stieß das Erstbeste aus, das mir in den Sinn kam.
„Eine Quest!“
Sofort öffnete sich das Menü zum Erstellen von Quests. Der Nekromant hielt den Stab hinter seinen Rücken und zeigte sich gnädig bereit, mich anzuhören.
„Sprich, Kreatur!“
Ich verlor keine Zeit und bot die Höchstbelohnung, die ich mir leisten konnte – zehn Goldstücke – dafür, dass er mir einen Umhang mit Kapuze, Schuhe, eine Hose, Handschuhe und einen Morgenstern brachte. Ich hätte auch 10 % meiner gesammelten Erfahrung übertragen können, aber das hielt ich nicht für ratsam.
Zehn Gold waren für diesen Plunder mehr als großzügig.
Allerdings schien der Nekromant das anders zu sehen. Er runzelte die Stirn und zögerte, bis ich einen der Schieber rasch zur Seite bewegte und die Einzelquest in eine Serie von drei Aufgaben änderte.
Der Nekromant gab nach und machte eine abschätzige Handbewegung.
„Du hast mich überzeugt, Toter. Warte hier.“

Garth Deathblade hat deine Quest akzeptiert!

Der Zauberer verschwand, ich schloss die Systemnachricht und versteckte mich im Gebüsch. Wenn ich auf dem Pfad auf den Nekromanten gewartet hätte, wäre ich vielleicht auf andere Spieler gestoßen, und ich wollte auf keinen Fall sterben und Garth nicht wiederfinden.
Ich war mir nicht sicher, ob mich auch andere verstehen konnten, denn Nekromanten waren bei Spielern nicht besonders beliebt. Äußerst unwahrscheinlich, dass ich so bald einen anderen Nekromanten treffen würde.
Deshalb erzählte ich ihm nicht sofort von meinem traurigen Schicksal. In virtuellen Welten will man abschalten und nichts von den Problemen anderer hören. Vielleicht hätte Garth dem Toten geglaubt und seine Hilfe nicht verweigert, aber es war genauso gut möglich, dass er mich zum Teufel schickte.
Eine Quest dagegen war etwas völlig anderes. Quests waren heilig.

DER NEKROMANT KAM ZURÜCK, als der Regen nachgelassen hatte und der Wind allmählich die Wolken von der Stadt pustete. Nachdem er seine Belohnung bekommen hatte, legte ich sofort den schwarzen Umhang aus grobem schwarzen Stoff an und zog mir die Kapuze über den Kopf.
Meine Wahrnehmung war künftig nur noch um 10 % reduziert.
„Was jetzt?“, fragte Garth eilig, während er mich mit roten Albino-Augen durchdringend anstarrte.
Das weiße Haar des Nekromanten flatterte im Wind und er sah ziemlich unfreundlich aus.
Ich beschloss, seine Geduld nicht überzustrapazieren, und legte die Ziele für die zweite Aufgabe fest.

Quest: Eine Nachricht überbringen
Belohnung: Hilfe im Spiel

„Hilfe?“, erwiderte Garth höhnisch. „Womit könntest du mir schon helfen?“
„Untote kommandieren“, entgegnete ich und erläuterte: „Wie viele Ghule kannst du gleichzeitig unter Kontrolle halten, Nekromant?“
Der Zauberer überlegte kurz. „Vier oder fünf. Wenn ich mich um alle gleichzeitig kümmere. Wieso?“
„Ich werde fünf Ghule zusammentreiben. Mit dieser Unterstützung kannst du jedes Verlies hier leerräumen.“
Der Nekromant schien zu zweifeln. Normalerweise wäre er kaum in der Lage, einen einzigen Untoten zu steuern, also war mein Angebot einigermaßen interessant.
„Was für eine Nachricht?“, fragte Garth schließlich. „Und wem muss ich sie überbringen?“
„Es dauert nicht lange. Bist du einverstanden?“

Garth Deathblade hat deine Aufgabe akzeptiert!
Garth Deathblade ist vorübergehend dein Verbündeter.

Das stimmte — die Markierung, die die Position des Nekromanten auf der Karte anzeigte, leuchtete grün.
„Also was ist die Nachricht?“, wiederholte er ungeduldig. „Mach schon! Zeit ist Geld!“
In der virtuellen Realität war Zeit tatsächlich genauso wertvoll wie Geld, also ritzte ich meine Nachricht sofort mit dem Messer in den feuchten Boden. Zunächst schrieb ich die E-Mail-Adresse meines Anwalts auf und fügte dann in englischer Sprache hinzu: „Ich bin im Spiel gefangen. Ich komme nicht raus. Sag den Admins, dass das Programm gehackt wurde.“
„Was zum Teufel soll das?“, fluchte Garth, während er mir zusah.
„Mach einen Screenshot“, verlangte ich, „und schick ihn an diese E-Mail-Adresse.“
„Das gefällt mir nicht“, erwiderte der weißhaarige Nekromant kopfschüttelnd. „Das ist eine Falle!“
„Schick einfach die Nachricht!“
„Dazu muss ich das Spiel verlassen!“
„Es muss nicht sofort sein“, räumte ich ein, weil ich den Eindruck hatte, dass dieses unerfreuliche Zugeständnis nötig war.
„Naja, wenn es so ist … In Ordnung, ich mache es …“ beschloss Garth widerwillig. „Jetzt bring mich zu den Ghulen!“
„Komm mit, Nekromant...“

ZU MEINER GROSSEN ERLEICHTERUNG war niemand auf dem verlassenen Friedhof, nur die Grillen, die im Gras zirpten, und die Lerchen, die am klaren Himmel ihre Kreise zogen. Dampf stieg von der feuchten Erde auf, doch obwohl es warm wurde, legte ich die Kapuze nicht ab — der dicke Stoff schützte hervorragend vor der brennenden Sonne. Selbst meine Ausdauer nahm nicht mehr ab und ich wurde mittlerweile nur noch dadurch beeinträchtigt, dass sich meine Wahrnehmung um 60 % verschlechterte.
„Warte hinter dem Tor auf mich, Nekromant“, verlangte ich, als ich den Friedhof betrat und mit meinem Morgenstern auf die Grabsteine hämmerte, um die Ghule zu wecken.
Die Bewohner des Friedhofs hatten sich noch nicht richtig vom letzten Angriff erholt, deshalb musste ich mehrere Dutzend Gräber abgehen, bis ich die erforderliche Anzahl an Untoten beisammenhatte.
„Alles ist bereit, Nekromant!“, rief ich dann.
Sobald der Nekromant im Tor erschien, gingen die gefährlichen Monster zum Angriff über. Eine Knochenkugel flog ihnen entgegen und sobald sie den ersten Ghul traf, explodierte der Zauber und zerplatzte in ein halbes Dutzend Stücke. Auch ich wurde getroffen, sodass meine Sicht kurz verschwamm, doch sofort waren meine Augen wiederhergestellt.

Untote kommandieren: Immunität

Die Ghule dagegen waren nicht vor der Versklavung geschützt und der Zauberer konnte sie allesamt beherrschen.
Moment. Der Nekromant hatte alle bis auf einen gefangen! Die Bestie mit blau-schwarzer Haut brüllte wütend auf und sprang Garth an. Im letzten Moment konnte er den Angriff auf seinen Kopf mit seinem Stab abwehren.
Eine Sekunde später war ich bei ihm und hieb mit meinem Morgenstern auf den Ghul ein. Der Stachelball traf ihn mit der Wucht einer Kanonenkugel im Rücken, sodass er sofort fünfzig Gesundheitspunkte einbüßte. Meine Ausdauer reduzierte sich nur ganz leicht, ich packte den Griff mit beiden Händen und hieb der Kreatur auf den Kopf, als sie sich zu mir umdrehte.
Daneben!
Der Ghul schlug mit seinen furchteinflößenden Krallen nach mir, konnte das Kettenhemd aber nicht durchdringen. Ich schlug noch einmal zu, jedoch ohne Erfolg. Schlimmer noch — die Krallen meines Gegners schlitzten mir den Arm bis auf den Knochen auf. Zum Glück war der Schaden nicht schlimm und meine Immunität schützte mich vor dem Leichengift.
Kurz darauf stieß Garth den Haken an seinem Stab in den Ghul und riss ihn im wahrsten Sinne des Wortes in Stücke.

Garth Deathblade hat den Alten Ghul getötet.
Erhaltene Erfahrung: +55 [844/1000]
Du steigst ein Level auf!

Level 6! Mit meinem Extrapunkt erhöhte ich meine Beweglichkeit, während der Nekromant mich nachdenklich ansah.
„Die Erfahrung wird zwischen uns beiden aufgeteilt?“, fragte er stirnrunzelnd, winkte dann jedoch ab und verließ den Friedhof. Vier Ghule folgten ihm, wobei sie in der hellen Sonne leise winselten.
„Die Ghule werden nicht lange durchhalten!“, warnte ich den Zauberer, als ich zu ihm aufgeschlossen hatte.
„Ich werde sie auch nicht lange behalten können!“, erwiderte Garth verärgert und nahm einen Schluck Mana-Elixir, um die Energie wiederherzustellen, die er für den Zauber verbraucht hatte. „Keine Sorge, sie werden schon nicht verrotten. Das Skelettverlies ist ganz in der Nähe.“
Ein Skelettverlies? Nun, wenn die Erfahrungen so eintrudeln, wieso nicht?

Auf dem Weg zur Höhle trafen wir mehrere andere Spieler. Manche sahen Garth respektvoll an, andere eher misstrauisch. Mir schenkte niemand Beachtung. Nur ein Untoter im Gefolge des Nekromanten, weiter nichts.
Am Eingang zum Verlies befand sich niemand — normalerweise wagten sich die Spieler dort nur in Gruppen von zehn bis fünfzehn Personen hinunter, da sich die unteren Ebenen sonst nicht erreichen ließen.
„Du gehst vor!“, befahl Garth.
Da die Untoten mir gegenüber neutral waren, hatte ich nichts dagegen einzuwenden. Die Ghule waren von der Sonne ziemlich stark verbrannt worden, deshalb brauchten sie Schutz.
„Wenn einer von uns stirbt, treffen wir uns auf dem Friedhof!“, warnte der Zauberer.
„In Ordnung, Nekromant“, erwiderte ich, als ich vor ihm die Stufen hinabstieg.
Die Dunkelheit wurde durch brennende Fackeln an den Wänden gebannt, auf dem Boden lagen rissige Steinplatten. Am entlegenen Ende des Korridors bewachte ein Skelett mit einem Speer den Eingang zur Halle. Furchtlos ging ich direkt darauf zu und versuchte, ihm mit dem Morgenstern auf den Schädel zu schlagen. Unverhofft ging mein Schlag daneben. Das Skelett machte einen Schritt zurück und stach mit seinem Speer zu.
Verdammtes Ding!
Ich packte den Schaft, damit mein Gegner seine Waffe nicht einsetzen konnte, und hieb ihm weiter auf den Kopf. Die meisten Attacken gingen daneben, doch schließlich gelang es mir, ihm den Helm herunterzuschlagen, als ein Ghul neben mir auftauchte und dem Skelett mit einem Hieb seiner Klauenhand das Rückgrat brach.
Ich verdrängte das unangenehme Gefühl in der Brust, die von der Speerspitze durchbohrt worden war, stieg über den Knochenhaufen und wurde böse überrascht. Zehn Skelett-Bogenschützen warteten zwischen den Steinsäulen auf ihre ungeladenen Besucher. Ich wich zurück, doch meine pestverseuchte Leiche bewegte sich zu langsam. Viel zu langsam ...
Wusch! Wusch! Wusch!
Drei oder vier Geschosse schickten mich auf der Stelle zurück zum Wiedereinstieg.

DUNKELHEIT, STEINE, plätscherndes Wasser ganz in der Nähe.
Ich kletterte aus dem Steinhaufen und kauerte mich in die Nische, da ich nicht aufstehen konnte. Die Schmerzen in meiner Brust ließen schnell nach, doch das Kettenhemd war durch viele Geschosse durchbohrt wurden und bot keinen Schutz mehr. Ein oder zwei weitere Treffer, dann hätte ich gar keine Rüstung mehr.
Als ich den Game-Log etwas zurückscrollte, entdeckte ich die Mitteilung, dass Garth Deathblade das Spiel verlassen hatte. Plötzlich hörte ich das Klirren von Ketten und einen dumpfen Aufschlag. Einen Augenblick später stürzte ein anderer Dummkopf, der die Ruinen auf dem Hügel besucht hatte, klatschend in den Fluss, doch offenbar war er ein echter Glückspilz. Nach seinem lauten Fluchen zu urteilen hatte der Spieler genug Gesundheit, um den Angriff zu überleben, ohne dass ihn seine schwere Rüstung nach unten zog.
Eine Reihe von Platschgeräuschen ertönte, dann wurde das schwache Licht noch schwächer und die geschmeidige Gestalt eines Dunkelelfen erschien in der Öffnung.

Iss El-Morten, Drow. Schurke, Level 10.

„Unglaublich!“, rief der Dunkelelf aus und eilte direkt auf die Kiste zu.
Ohne sich im Verlies umzusehen, ließ er sich sofort vor dem Schloss auf die Knie fallen und machte sich mit seinem Werkzeug daran zu schaffen. Sobald ich den Öffnungsmechanismus klicken hörte, verließ ich die Nische und näherte mich dem Dieb. Er war damit beschäftigt, den massiven Deckel der Kiste hochzustemmen, und bemerkte mich erst, als wir nur wenige Schritte von einander entfernt waren. Ich entschied mich gegen einen Angriff mit dem Morgenstern, da ich meiner Treffsicherheit nicht traute, sondern packte den Drow und zerrte ihn auf die überspülten Stufen zu. Wir stürzten ins Wasser und rollten die Treppe hinunter in die Tiefe.
Der Schurke drehte sich um und hieb mir einen Krummdolch in die Hüfte, während ich meinen Todesgriff aktivierte. Der Dunkelelf wand sich hin und her, konnte sich jedoch nicht befreien und hieb daher hektisch weiter mit der Klinge auf mich ein. Er hatte mir erst die Hälfte meiner Gesundheit genommen, als seine eigene Gesundheitsanzeige erzitterte und rasch weniger wurde.
Luft. Er hatte keine Luft mehr in den Lungen!
Der Dieb ließ seinen Dolch los und krümmte sich, doch ich packte ihn nur noch fester, sodass er nicht an die Oberfläche gelangen konnte.

Spieler Iss El-Morten wurde getötet!
Erfahrung: +259 [1103/1200]
Du steigst ein Level auf!

Wow, ich hatte schon Level 7 erreicht! Mit Spielern schaffte man das deutlich schneller als mit läppischen Monstern.
Ich hielt mich nicht lange mit der Statistik auf und erhöhte die Beweglichkeit auf fünf Punkte. Von der Leiche nahm ich mir fünfzig Silbermünzen und ein Paar nicht identifizierte Stiefel, schnappte mir den Dolch, den der Schurke gedropt hatte, und stieg die überschwemmte Treppe wieder hinauf.
Ich musste so schnell wie möglich hier raus. Wenn ich der Drow wäre, würde ich nach dem Respawn schnellstmöglich wieder hier auftauchen, um mich an meinem Angreifer zu rächen und mir die verlorenen Gegenstände zurückzuholen. Das Verlies war für mich keine sichere Zuflucht mehr.
Zuallererst holte ich mir den Schädel, den ich in der Ruine versteckt hatte, und nahm dann das Gold an mich, das wieder in der Holzkiste aufgetaucht war. Ich war bereits auf dem Weg zum Ausgang, als mir die offene Kiste wieder einfiel. Der Deckel war aufgeklappt, ich sah hinein und nahm einen seltsam aussehenden Dolch heraus — er war weiß und sehr leicht, aus dem Splitter eines gigantischen Knochens geschnitzt.

Knochendolch
Schaden an Skeletten: 500
Haltbarkeit: einmalige Verwendung

Ein Quest-Item, um den Herrscher der Skelette zu besiegen? Egal, damit würde ich mich später befassen. Jetzt musste ich erst einmal zum Friedhof. Der Nekromant wartete dort vielleicht schon auf mich. Das wollte ich nur zu gern glauben.

4

GARTH WAR NICHT an unserem Treffpunkt. Ich wanderte eine Weile am Waldrand hin und her, wo ich den Eingang zum Friedhof im Auge behalten konnte, und ging dann tiefer in den Wald, weil ich den Schädel in irgendeinem Loch verstecken wollte. Wenn ich zwischen den schattigen Ulmen wieder zum Leben erweckt wurde, wäre ich nicht sofort der Sonne ausgesetzt, selbst wenn ich meinen Umhang verlieren sollte.
Ärgerlicherweise bekam ich es fast auf der Stelle mit ein paar Wildschweinen zu tun, und nur dank meiner Aura der Angst konnte ich einen Kampf mit den grauen Biestern vermeiden. Als ich ihnen endlich entkommen war, hatte ich fast meine gesamte Energie verbraucht, also kehrte ich zum Friedhof zurück.
Der Nekromant und ich entdeckten einander im gleichen Moment. Wir erhielten eine Systemnachricht.

Du hast Garth Deathblade getroffen!
Quest fortsetzen? [Ja /Nein]

Ich bestätigte, dass ich meine Verpflichtungen erfüllen wollte, und eine neue Nachricht erschien.

Garth Deathblade hat beschlossen, deine Quest fortzusetzen!
Garth Deathblade ist vorübergehend dein Verbündeter.

„Wurde die Nachricht verschickt, Nekromant?“, wollte ich wissen, denn seine Entscheidung machte mir Hoffnung.
Garth schob sich die Kapuze vom Kopf, fuhr sich mit den Fingern durch das weiße Haar und fragte dann unvermittelt: „Steckst du wirklich im Spiel fest oder ist das ein Scherz eines gelangweilten Admins?“
„Was?“, entgegnete ich überrumpelt.
„Ich habe die Nachricht durch einen Online-Übersetzer gejagt“, erwiderte der Nekromant. „Dann habe ich die E-Mail-Adresse im Internet überprüft. Ich habe Land und Stadt herausgefunden, aktuelle Nachrichten durchforstet …“
„Hast du die Nachricht verschickt, Nekromant?“, unterbrach ich ihn. „Ja oder nein?“
„Habe ich, ganz ruhig“, versicherte Garth mir. „Sofort, nachdem ich das Spiel verlassen hatte. Bislang ist keine Antwort gekommen.“
„Wann war das?“
„Vor fünf Stunden.“
Verdammt!, fluchte ich innerlich, obwohl ich unglaublich erleichtert war. Mein Anwalt wusste, dass ich in diesem Spiel gefangen saß. Man würde mich bald hier herausholen.
„Also“, fuhr Garth fort, „ich habe in den Lokalnachrichten nachgeforscht und bin auf die Story von einem Mann gestoßen, der beim Spielen ins Koma gefallen ist. Der technische Support von Türme der Macht behauptet, der User sei nicht online und es handele sich um eine absichtliche Beschädigung der Gaming-Ausrüstung, für die sie nicht verantwortlich seien. Man hat das Opfer in der Kapsel gelassen und in ein Krankenhaus gebracht. Merkwürdigerweise in ein Militärkrankenhaus. Ist das bei euch so üblich?“
Ein Militärkrankenhaus? Hatte man ihn wirklich unter Bewachung gestellt? Oder war die Übersetzung fehlerhaft und es handelte sich um ein normales Gefängniskrankenhaus?
„So oder so, wenn du dieser Typ bist, musst du dir keine Sorgen machen. Solange du krankenversichert bist, werden sie dir schon nicht die Apparate abschalten“, sagte Garth so leichthin, als ginge es für mich nicht um Leben und Tod.
„Man wird mich hier rausholen!“
Der Nekromant kicherte seltsam und schlug vor: „Ich höre mir gern deine Geschichte an und gebe dir gute Ratschläge, wenn du die Ghule zusammentreibst. Ich muss für eine Quest ein Rudel Wölfe vernichten.“
„Und was ist mit dem Skelettverlies?“, fragte ich, denn mir war aufgefallen, dass sich Garth noch immer auf Level 9 befand.
„Allein ist das zu schwierig.“ Der Zauberer verzog das Gesicht. „Also, bist du dabei oder trennen sich unsere Wege? Ich habe keine Zeit zu verschwenden!“
„Ich bin dabei, Nekromant“, nahm ich sein Angebot an. „Ich habe drei magische Gegenstände. Kannst du herausfinden, welche Eigenschaften sie haben?“
„Was bekomme ich dafür?“, kicherte Garth.
„Du kannst dir einen aussuchen und behalten.“
„Dann lass mal sehen.“
Ich gewährte dem Magier Zugriff auf mein Inventar. Die Stiefel und der Armreif bereiteten ihm keine Probleme, doch um den Dolch zu identifizieren, musste der Nekromant einen Zauberspruch anwenden.

Armreif der Beweglichkeit (Teil eines Sets: 1 von 2)
Beweglichkeit: +1

Stiefel der Tarnung
Tarnung: +10 %
Geschwindigkeit im Tarn-Modus: +5 %
Haltbarkeit: 20

Schattendolch
Schaden: 1-3
Kritischer Schaden: x 3
Wahrscheinlichkeit kritischer Schäden: +10 %

„Der Dolch gehört mir.“ Erwartungsgemäß suchte Garth sich den wertvollsten Gegenstand aus.
Ich protestierte nicht, sondern legte mir den Armreif um, zog die Stiefel an und machte mich auf den Weg zum Friedhof. Die Ghule ließen sich problemlos aus den Gräbern locken — wie üblich stieß ich die Grabsteine um und rief dann den Magier herbei. Er schaffte es ohne Zwischenfälle, alle fünf Monster gleichzeitig zu kontrollieren.
„Der Wolfsbau ist ganz in der Nähe“, sagte Garth und erkundigte sich dann: „Also, was ist dir angeblich passiert? Wie kommt es, dass du hier festsitzt?“
Ich berichtete ihm, was geschehen war.
„Moment“, erwiderte Garth überrascht. „Das war also kein Bug? Dafür ist ein Hacker verantwortlich?“
„Genau.“
„Das ist ja echt übel, mein Freund. Jetzt verstehe ich auch, wieso der Zauberspruch ‚Untote versklaven‘ nicht funktioniert hat. Du bist im Prinzip ein Spieler im Körper eines NPCs!“ Garth lachte, als hätte er die Lösung zu einem Rätsel gefunden, an dem er schon lange knackte. „Wie heißt du?“
„John“, stellte ich mich mit der englischen Version meines Namens vor.
„John, kannst du auf den Log zum Zeitpunkt deiner Ermordung zugreifen?“
Ich machte eine ratlose Geste.
„Wie denn?“
„Sieh einfach nach. Geh die Tabs durch.“
Ein junger Wolf hüpfte aus dem Gebüsch und wurde auf der Stelle von den Ghulen zerfetzt.
„Such weiter, John, such weiter. Wir kommen hier schon zurecht.“
Ich öffnete das Systemfenster und sah mir der Reihe nach sämtliche Tabs an. Erstaunlicherweise hatte Garth recht — einer der Bildschirme enthielt die Übersicht zu meinem Schurken. Allerdings war sie inaktiv.
„Ich sehe die Angaben zu meinem alten Charakter“, berichtete ich dem Nekromanten.
„Sieh dir die Game-Logs an!“, riet er mir, während er ein Ritual ausführte, um einen Zombie-Wolf zu beschwören. „Sie müssen irgendwo geblieben sein.“
„Oh! Jetzt habe ich sie gefunden. Was habe ich davon?“
„Schick mir den Zeitpunkt der Ermordung in unseren Gruppenchat.“
„Das geht nicht. Ich habe nur Lesezugriff.“
Garth überlegte kurz, fuhr sich mit der Hand durch das weiße Haar und schlug vor: „Öffne die Einstellungen, aktiviere das Feld „Besondere Optionen“ und wähle dann „Text in Sprache“ und „Sprache in Text“. Dann kannst du Nachrichten an berechtigte Spieler schicken, die für dich in Sichtweite sind.“
Genau das tat ich.
„Ja, das hat geklappt!“

Schattenfallen: Du bist gelähmt!
Erlittener Schaden: 37 [73/110]
Erlittener Schaden: 37 [36/110]
Erlittener Schaden: 37 [0/110]
Du wurdest von Spieler Jemand Jemand getötet.

Der Nekromant fror ein, als würde er etwas nachschauen, und stieß dann einen Pfiff aus.
„Wow! Level 99! Tja, dem werden wir jetzt die Suppe gehörig versalzen!“
„Was machst du?“
Garth lachte.
„Ich habe mich beschwert. Der PvP-Modus steht eigentlich erst zur Verfügung, wenn ein Neuling Level 10 erreicht hat, aber Charaktere mit einem hohen Level dürfen nicht in den Laufstall. Das ist ein direkter Regelverstoß.“
„Wird man sich nicht fragen, wieso ich mich nicht selbst beschwere?“
Der Nekromant lachte nur. „Ich habe geschrieben, dass der Vorfall dich emotional so mitgenommen hat, dass du noch nicht dazu in der Lage bist, dich wieder ins Spiel einzuloggen. Du wirst schon sehen — das wird klappen. Es klappt immer.“
„Und was habe ich davon?“
„Begreifst du denn nicht?“ Garth seufzte. „Das Spiel selbst kann man nicht hacken, also muss irgendeine Hardware an der Kapsel angebracht worden sein oder die Verbindung wurde angezapft. Der Hacker musste deinen Charakter hier ausfindig machen, um dich in den Körper eines Toten zu bugsieren, also kann er nichts machen, solange er vom Spiel ausgeschlossen ist. Stopp! Der Wolfsbau ist hier ganz in der Nähe!“
Das stimmte — nacheinander tauchten zahlreiche rote Punkte auf der Karte auf.
„Verdammt!“, fluchte der Nekromant. „Das sind mehr Wölfe, als ich dachte!“
Ich bewaffnete mich gerade noch rechtzeitig mit dem Morgenstern. Das Rudel ging sofort zum Angriff über, riss einen der Zombies, die der Nekromant erschaffen hatte, in Stücke und biss zwei Ghulen in die Pfoten. Der Kampf war in vollem Gange. Ich schlug einem Wolf den Schädel ein, zertrümmerte einem zweiten das Rückgrat und holte direkt erneut aus — das hatte ich meiner besseren Beweglichkeit zu verdanken.
Der Nekromant wirbelte seinen Stab umher, um eine riesige Wölfin in Schach zu halten, die so groß war wie ein kleines Kalb. Die Ghule kamen ihm zur Hilfe und rissen das Ungeheuer mit Leichtigkeit nieder, während ich es allein mit vier kräftigen Wölfen aufnehmen musste. Dem ersten Wolf schleuderte ich die stachelige Kugel meines Morgensterns in das aufgerissene Maul, spürte jedoch sofort Bisse an Hüfte und Handgelenk. Auf der Stelle wurde meine Gesundheitsleiste gelb, doch dann ertönte hinter mir ein lautes Knacken und Knochensplitter flogen umher, die die Raubtiere wie Zaubergeschosse niedermähten.
Die Ghule erledigten die verletzten Wölfe im Handumdrehen, aber Garth sah sich verwirrt um.
„Die Quest ist nicht abgeschlossen!“, verkündete er, dann merkte er plötzlich auf. „Oh! Die Beschwerde wurde beantwortet! Dein Hacker wurde für drei Monate aus dem Spiel verbannt!“
„Schreib was über mich! Schreib, dass ich im Spiel feststecke!“
„Bist du verrückt geworden?“, wunderte sich der Nekromant. „Sie würden dich einfach löschen! Deinen Untoten löschen, weil es ihn gar nicht geben dürfte!“
„Aber wieso?“
„Weil die Admins bereits der Presse gesagt haben, dass du nicht im Spiel bist! Stell dir nur mal vor, wie der Aktienkurs des Unternehmens abstürzen würde, wenn diese Story ans Licht kommt. Dass jemand im Spiel feststeckt, ist der Albtraum aller Entwickler!“
„Aber vielleicht ist das eine Lösung? Sie löschen meinen Untoten und ich wache auf?“
Garth holte einen Mana-Zaubertrank hervor und schüttelte den Kopf
„Das glaube ich nicht. Du würdest nicht verifiziert werden. Du bist als Schurke ins Spiel gekommen und jetzt ein Untoter. Wer weiß, wo du landen würdest. Im Augenblick kannst du zumindest spielen.“
„Verdammt!”, fluchte ich. „Wie konnte das überhaupt passieren?“
Der Nekromant zog mit seinem Stab eine Linie um den zerfetzten Körper der Wölfin und meinte: „Wenn du deine alte Statistik einsehen kannst, hat der Hacker vermutlich einen Code für Doppelklassen benutzt, der nicht implementiert wurde. Ursprünglich waren solche Klassen für dieses Spiel geplant, doch letztendlich beschränkte man sich dann auf Spezialisierungen und Berufe.“
„Woher weißt du das alles?“
„Ich bin im Prinzip seit den Anfangstagen mit dabei!“
„Und trotzdem erst auf Level 9?“, fragte ich ungläubig.
„Ach so“, lachte Garth. „Ich verkaufe Charaktere. Ich level sie auf 24 hoch und verkaufe sie dann. Es gibt unterschiedliche Optionen.“
Auf Level 25 bekam ein Spieler seine Spezialisierung, aber ich erkundigte mich nicht weiter, wie das eine mit dem anderen zusammenhing, sondern stellte eine andere Frage. „Wieso kann ich meine Fähigkeiten als Schurke dann nicht einsetzen?“
„Das bleibt so, bis das Level deiner neuen Klasse das Level der alten erreicht. Das wirst du als NPC allerdings niemals erleben.“
„Ich level aber hoch!“
„Im Ernst?“, fragte der Nekromant erstaunt, während er zusätzliche Kraft in den Zauberspruch „Tote erwecken“ investierte. „Verstehe! Bei fast allen Quests richtet sich die Schwierigkeit nach dem Level der Spieler! Die Levels der Monster erhöhen sich auch …“
Der Zauber, der sich um Garth herum ausbreitete, war eiskalt, es roch nach einem geöffneten Grab, dann erhob sich die zerfetzte Wölfin ruckartig und unbeholfen vom Boden. Blutiger Sabber tropfte aus ihrem geöffneten Maul auf den Boden, während in ihren Augen ein dunkles Feuer loderte.
„Hervorragend! Einfach hervorragend!“, stieß der Nekromant erleichtert aus. „Jetzt können wir uns mit dem Wolfsbau befassen!“
Wir bahnten uns unseren Weg durch das Gebüsch und blieben am Eingang zur Höhle stehen. Die Ghule liefen in das Verlies und einer von ihnen wurde direkt in Fetzen fauligen Fleisches zerrissen. Ein riesiger, schwarzer Werwolf zerfleischte sein Opfer im Bruchteil einer Sekunde und sprang sofort auf das zweite untote Monster zu. Sein schrecklicher Kiefer schlug krachend zusammen, als sich die Reißzähne in die Klauenhand des Ghuls bohrten, und mit einem Kopfruck riss das Untier sie ihm vom Körper. Einen Augenblick später hatte es den Ghul bereits ausgeweidet und setzte direkt zum nächsten Angriff an.
Garth warf eine Eiskugel und die Tatzen des Werwolfs froren am Boden fest. Das Untier warf sich hin und her, riss eines seiner Glieder vom eisigen Untergrund los und war kurz davor, auch das andere zu befreien …
In diesem Moment schlug die Zombiewölfin zu. Sie hieb dem Werwolf ihre Reißzähne in den Hals, konnte ihn jedoch nicht besiegen. Auch ich mischte mit, zerschmetterte dem Untier mit aller Kraft die Rippen, sodass es 45 Gesundheitspunkte einbüßte, und hob erneut meine Waffe. Allerdings verfehlte ich mein Ziel, sodass der Morgenstern mir beinahe aus der Hand flog.

DAS EIS SCHMOLZ, der blutüberströmte Werwolf konnte die Zombiewölfin abschütteln und biss mir in die Seite. Zum Glück schützte mich das Kettenhemd. Der Zombie sprang vom Boden auf und grub dem Werwolf die Zähne in den Hinterlauf. Als sich das Untier umdrehte, hieb ich ihm von hinten auf den Schädel, während Garth herbeieilte, um ihm den schrecklichen Haken an seinem Stab in die Seite zu stoßen.
Blut schoss aus der Wunde.

Spieler Garth Deathblade hat einen Werwolf getötet!
Die Quest „Wolfsmeute“ ist abgeschlossen!
Erfahrung: +205 [1403/1440]
Du steigst ein Level auf!

Jetzt hatte ich also Level 8 erreicht. Meinen zusätzlichen Punkt investierte ich in mehr Beweglichkeit, denn ich war es leid, so ungeschickt zu sein.
Wir hatten uns so viele Erfahrungspunkte verdient, dass nicht nur ich, sondern auch der Nekromant um ein Level aufstieg.
„Level 10!“, verkündete er mit unverhohlener Freude. „Okay, John, es war nett, mit dir zu spielen, aber jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt!“
Eine Systembenachrichtigung teilte mir mit, dass die Aufgabe erfüllt worden war, und Garth verschwand aus der Liste meiner Verbündeten. Allerdings erschien sofort eine neue Nachricht über die dritte Quest, die letzte aus der Dreierkombination.
„Oh nein!“, stöhnte der Nekromant. „Dafür habe ich keine Zeit!“
„Ich schalte die sofort ab“, versprach ich und öffnete das Quest-Menü. „Können übrigens alle Nekromanten mit mir reden? Leider versteht mich niemand außer dir.“
„Ja, alle“, bestätigte Garth. „Nächste Woche soll es ein weltweites Update geben, mit dem das Königreich der Toten dazukommt. Dann werden die Nekromanten Gold wert sein. Moment mal!“
„Was ist?“ Ich warf ihm einen Blick zu.
„Zu den Artefakten, die für das Königreich der Toten angekündigt wurde, gehört auch die Schriftrolle der Wiedergeburt. Sie kann eine beliebige Kreatur wieder zum Leben erwecken, aber nur einmal verwendet werden. Wenn dein Charakter wiederbelebt wird, kannst du vielleicht das Spiel verlassen.“
„Wow!“, stieß ich hervor.
„Allerdings ...“ Der Nekromant machte eine Pause. „Nein, das kommt nicht infrage. Die Wiederbelebung einer epischen Kreatur ist ein begehrter Preis, und du wirst auf keinen Fall vor den anderen in den Turm der Verwesung gelangen.“
„Könnte das denn helfen?“, fragte ich hoffnungsvoll.
„Es spielt keine Rolle“, entgegnete Garth, während er das Blut von seinem Stab wischte. „Was ist denn jetzt mit dieser Quest?“
„Ich kann sie nicht aufheben“, log ich. „Lass uns doch etwas anderes machen — zum Beispiel diesen Schädel aus der Stadt herausbringen und in ein tiefes Loch werfen.“
„Was ist das für ein Schädel?“, fragte Garth interessiert.
„Ich weiß es nicht“, log ich erneut, „aber irgendwie hängt er mit der Quest zusammen, die mich das Leben gekostet hat. Wenn er nicht mehr da ist, lassen die anderen Spieler mich vielleicht in Ruhe. Ich bin es so leid, ständig zu sterben.“
„Was ist die Belohnung?“, fragte der Nekromant.
Ich legte all mein Gold in das Menu zur Quest-Erstellung, doch der Betrag konnte den Nekromanten nicht beeindrucken.
„Gib noch die Stiefel und den Armreif der Beweglichkeit dazu“, verlangte er. „Außerdem musst du einstellen, dass ich die Belohnung bei Abschluss der Quest bekomme, denn ich habe nicht vor, noch einmal hier aufzutauchen.“
Ich tat alles, was er verlangte, und vergaß dabei nicht, eine Mindestdistanz festzulegen, die der Schädel zurücklegen musste, damit die Belohnung ausgegeben wurde.

Garth Deathblade hat deine Quest akzeptiert!

„Man sieht sich, John!“ Der Nekromant winkte mir zu und marschierte zu den Toren zum Park. „Hat mich gefreut!“
„Mich auch“, antwortete ich vollkommen ehrlich.
Jetzt hatte ich ein Ziel. Ein Ziel im Leben und im Spiel.
Meine Lage erschien mir nicht mehr aussichtslos. Selbst wenn es meinem Anwalt nicht gelingen sollte, mich aus dem Spiel zu holen, konnte ich wieder in die Realität zurückkehren. Ich musste mir lediglich die Schriftrolle der Wiedergeburt sichern, indem ich in Türme der Macht den allerbesten und erfahrensten Spielern zuvorkam. Auch wenn Garth mir helfen würde, aus diesem nervigen Park zu entkommen, standen mir keine rosigen Zeiten bevor. Mit einem armseligen Level 8 kam man außerhalb des Laufstalls nicht weit.
Ich öffnete mein Inventar, warf einen Blick auf den Knochendolch und machte mich entschlossen auf in Richtung Skelettverlies.
Wieso nicht etwas Erfahrung sammeln?

5

DAS GOLD, der Armreif der Beweglichkeit und die Stiefel der Tarnung verschwanden aus meinem Inventar, als ich bereits den Eingang zum Unterschlupf des Herrschers der Skelette erreicht hatte und unter einem umgestürzten Baum kauerte, damit andere Spieler mich nicht bemerkten.

Garth Deathblade hat deine Quest abgeschlossen!

Ich las die Systembenachrichtigung noch einmal und stieg aus dem Gebüsch auf die Lichtung.
Das Skelettverlies galt als einer der schwierigsten Orte im Laufstall. Die Spieler konnten es nur stürmen, wenn sie sich zu großen Teams zusammentaten, ansonsten war es fast immer wenig bevölkert. Der Besitzer eines Knochendolches hatte anderen gegenüber keinen Vorteil — keinem Anfänger würde es gelingen, ganz allein bis auf die unterste Ebene zu gelangen. Eine pestverseuchte Leiche jedoch brauchte keine Kraft, um durchzukommen! Ich hoffte nur, dass sich die Skelette nicht an meinen letzten Besuch erinnern würden …
Ganz unauffällig näherte ich mich meinem alten Freund, dem Skelett mit dem Speer, das reglos in der Tür stand. Dann nahm ich all meinen Mut zusammen und schlich mich an ihm vorbei in die unterirdische Halle mit den vielen Armbrustschützen.

Untote: Neutral

Keines der Skelette rührte sich, als ich auftauchte. Das gab mir Mut, sodass ich nach dem Zugang zur nächsten Ebene Ausschau hielt. Plötzlich hörte ich jedoch eilige Schritte und aufgeregtes Rufen am Eingang.
Kaum hatte ich mich hinter einer der Steinsäulen versteckt, stürzte der Skelettwächter mit eingeschlagenen Schädel zu Boden und drei halbnackte Barbaren kamen in die Halle gestürmt. Der Pyromant, der im Eingang erschien, warf eine Feuerkugel auf die Armbrustschützen, doch aufgrund der zahlreichen Säulen konnten die Flammen nur drei Skelette zerstören.
Armbrustbolzen sausten pfeifend durch die Luft, einer der Barbaren fiel. Die Wachposten ließen ihre leeren Waffen fallen und gingen zum Nahkampf über. Zusätzlich zu den Armbrüsten waren sie auch mit Schilden und Handbeilen bewaffnet.
Im allgemeinen Durcheinander eilte ich auf die Treppe zu, stieg ein Stockwerk tiefer und landete sofort in einer Falle — der rostige Spieß, der aus der Wand hervorragte, war nur eine Handbreit von meinem Bauch entfernt, sonst hätte er mich direkt durchbohrt.
Über mir waren nach wie vor Kampfgeräusche zu hören, deshalb ließ ich alle Vorsicht fahren und ging weiter den Gang hinunter. Irgendwie gelang es mir, die nächste Treppe zu erreichen, ohne erneut in eine Falle zu geraten. Hier unten war es deutlich dunkler und unheimlicher. Überall hingen Ketten von den Wänden, während der Boden mit Knochen übersät war und an jeder Ecke graue Fetzen von Spinnennetzen klebten. Drei Skelettwächter in klirrenden Kettenhemden mit Hellebarden auf den Schultern kamen an mir vorbei, neben ihnen war ein schwebender Geist auszumachen.
Am Zugang zur letzten Ebene wartete reglos die in Lumpen gehüllte Gestalt eines Hexenmeisters. In seinem Schädel loderten orangefarbene Flammen und es war, als würden seine toten Augenhöhlen mein Näherkommen mit boshaftem Interesse verfolgen. Es hatte fast den Anschein, als wollte er auf mich losgehen, und ich bemerkte, dass sich unter dem zerrissenen Umhang keine Beine befanden — das Skelett schwebte in der Luft.
Im Vorbeigehen spürte ich einen heißen Lufthauch, als der tote Hexenmeister den Kopf wandte und mit den Zähnen klapperte, als wittere er eine List. Ansonsten tat er jedoch nichts.
Und dann stürzte ich und rollte rasch die Stufen hinab in die Höhle des Herrschers der Skelette!
Der Saal, an dessen Steinwänden Fackeln loderten, war überraschend klein. Auf einem hohen Thron saß der Herrscher, ein ungeheures, beidhändiges Flammenschwert mit gewellter Klinge über den Knien. Obwohl Rost an der Waffe genagt hatte, wirkte sie genauso beeindruckend und furchterregend wie ihr Besitzer. Der Herrscher trug einen offenen Helm auf dem Schädel, sein Körper war von einem kunstvoll gewebten Kettenhemd bedeckt, die Schienbeine steckten in hohen Stiefeln mit eisernen Kappen.
In den Ecken der Halle hielten vier Leibwächter mit normalen beidhändigen Langschwertern Wache, rührten sich jedoch nicht, als ich hereinkam. Auch der Herrscher saß reglos da, doch ich wagte es nicht, mich ihm zu nähern, sondern ging lieber um den Thron herum und kauerte mich neben eine staubige Kiste, die dort stand. Zu meinem großen Bedauern war sie verschlossen.
Da ich hier sonst nichts weiter tun konnte, ging ich zum Herrscher und stieß ihm den Knochendolch zwischen die Rippen. Das Skelett erschauerte und zerfiel in eine Wolke aus grauem Staub. Der Helm, der ihm vom Schädel stürzte, prallte von der Armlehne ab, flog durch die Luft und rollte dann auf die Wand zu. Auf dem Thron blieben lediglich das Kettenhemd und das Schwert zurück. Außerdem fiel ein schwerer Geldbeutel neben den leeren Stiefeln auf den Boden.

Der Herrscher der Skelette wurde getötet!
Erfahrung: +250 [1653/1730]

Du steigst ein Level auf!

Ich verschwendete keine Zeit darauf, meine Werte zu erhöhen, sondern warf das beidhändige Flammenschwert, Kettenhemd und Stiefel in mein Inventar und eilte zu der Kiste hinter dem Thron. Dort schaffte ich es allerdings nicht mehr, den Schlüssel aus dem erbeuteten Geldbeutel zu fischen. Ein Skelett-Leibwächter hielt mich auf, indem er mir die schwere Klinge des beidhändigen Langschwerts in die Beine hieb und mir die Knochen unter den Knien durchtrennte. Ich stürzte zu Boden und konnte nicht mehr aufstehen. Das Skelett hob sein Schwert über den Kopf und ließ es herabsausen, sodass ich auf dem Steinboden festgenagelt wurde.

Du wurdest getötet!

Dunkelheit, eine zähe Masse aus Unrat auf meinem Körper und der unerträglich Gestank von Abwasser.
Garth hatte sich keine große Mühe gegeben und den Schädel einfach weggeworfen, sobald er die Stadtgrenzen von Old Gardens hinter sich gelassen hatte.
Von Kopf bis Fuß mit Dreck bedeckt stieg ich aus dem Abwassergraben, fluchte verärgert und blickte mich um. In der Nähe waren die Stadtmauern zu sehen, doch die Sonne war bereits untergegangen und die Wachposten konnten mich nicht richtig erkennen, während Anfänger in der Regel keine nächtlichen Spaziergänge wagten. In der Hauptwelt genossen Spieler mit niedrigem Level keinen besonderen Schutz mehr, deshalb konnte man sehr leicht in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.
Das galt auch für mich.
Ich bog von der Straße in Richtung einer geheimnisvollen Ruine ab, wischte den Schädel mit dem Zipfel meines Umhangs ab und schob ihn in ein Loch in einer halb eingestürzten Mauer. Dann erhöhte ich mit dem Punkt, den ich mir durch das Erreichen von Level 9 verdient hatte, meine Beweglichkeit und nahm meine Beute genauer unter die Lupe.
Im Geldbeutel des Herrschers der Skelette entdeckte ich einhundert Goldmünzen sowie einen Smaragd und den Schlüssel zu der Schatzkiste, der für mich nun wertlos war. Das rostige, lange Kettenhemd hatte leider keine magischen Kräfte, doch ich tauschte es gegen mein altes, das der Angriff der Skelettleibwächter ruiniert hatte. Die Stiefel und das beidhändige Flammenschwert jedoch entlockten mir einen überraschten Pfiff.

Stiefel der Stille (Set des Toten: 2 von 13)
Rüstung: 2
Schaden: 2
Geräusch im Tarn-Modus: -10 %
Beschränkt auf: Untote, Nekromanten

Blutiges Flammenschwert (Set des Toten: 2 von 13)
Schaden: 6-12
Genauigkeit: +10 %
Wahrscheinlichkeit kritischer Schäden: +10 %
Wahrscheinlichkeit von Schäden mit Blutverlust: 4 % für jede Welle der Klinge, die zum Einsatz kommt
Schaden durch Blutverlust: 2 Sekunden lang 2 Gesundheitspunkte pro Sekunde
Status: Äußerst selten
Beschränkt auf: Untote, Nekromanten

Ehrfürchtig wog ich das Flammenschwert in der Hand, betrachtete seine gewellte Klinge, die in den Anfangsgebieten des Spiels eine unangenehme Überraschung für jeden Gegner bedeuten würde, und zog dann die Stiefel an. Anschließend bewunderte ich die Werte meines Charakters.

Gesundheit: 207
Ausdauer: 184
Energie: 45
Schaden: 48 - 96

Wow, dieser Schadenswert war nicht übel! Ein Spieler auf Level 9 hatte üblicherweise nur etwa 100 Gesundheitspunkte, es sei denn, er konzentrierte sich ganz auf die körperliche Verfassung. Ich ließ das Flammenschwert ein paarmal durch die Luft sausen, doch dann bemerkte ich eine seltsame Lichtkugel, die in der Nähe des Stadttors in der Dunkelheit aufleuchtete. Das Licht verharrte einen Augenblick und näherte sich anschließend rasch den Ruinen oder genauer gesagt dem Abwassergraben, in dem ich diesmal zum Leben erwacht war.
Eine unangenehme Vorahnung durchfuhr mich wie ein kalter Schauer, doch ich lief nicht davon, sondern versteckte mich hinter der zerfallenen Mauer und umfasste den Griff des Flammenschwerts so, dass es besser in der Hand lag.
Als das magische Licht näher kam, sah ich, dass die leuchtende Kugel über einem Mann hing, der den Weg entlangrannte. Wer genau der Spieler war, konnte ich aufgrund meiner schlechten Wahrnehmung nicht erkennen, und ein Hinweis auf seinen Namen tauchte nicht auf.
Der Fremde stand eine Weile am Abwassergraben, sprang dann hinein und wühlte eifrig darin herum. Sofort nahm ich den verzauberten Schädel aus dem Loch im Mauerwerk und verstaute ihn in meinem Inventar. Wer auch immer dort im Dreck herumsuchte, war gekommen, um ihn in die Finger zu kriegen.
Ich hatte mich bereits vorsichtig in den hinteren Bereich der Ruine zurückgezogen, als der Spieler aus dem Graben stieg und eine Handbewegung machte. Helle Energie erstrahlte in Wellen in alle Richtungen, sodass die Bäume in schimmerndes Licht getaucht wurden und die nächtliche Dunkelheit taghellem Schein wich.
Weglaufen konnte ich jetzt nicht mehr, doch in den Ruinen war ich nicht zu entdecken.
Das dachte ich zumindest, bis ich an mir herunterblickte und feststellte, dass ich leuchtete wie ein frisches Brandzeichen.
„Komm raus, Johnny!“, hörte ich von draußen. „Komm raus, wir müssen reden.“
Der Magier schob sich die Kapuze vom Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch das weiße Albino-Haar.

Garth Deathblade. Nekromant auf Level 11.

Schon auf 11! Das war schnell gegangen ...
Es hatte keinen Sinn, sich weiter zu verstecken. Ich legte mir die gewellte Klinge des Flammenschwerts auf die rechte Schulter und ging aus den Ruinen auf den Nekromanten zu.
„Lange nicht gesehen, Garth.“
„Wo ist der Schädel, Johnny?“
„Was geht dich das an?“
„Sag es mir einfach. Du hast ihn bei dir, oder?“
Ich schüttelte den Kopf und streckte knackend den Rücken.
„Also, was ist?“, fragte ich erneut.
„Du hast mich angelogen!“, rief Garth. „Du hast mir nicht verraten, dass dieses Artefakt darüber bestimmt, wo du wieder zum Leben erwachst!“
„Ich habe dir gesagt, dass es ein Quest-Item ist. Und das stimmt.“
„Ich brauche ihn.“
„Wozu?“
„Geht dich nichts an!“
„Oh, doch, allerdings!“
„Gib ihn mir zurück, sonst nehme ich ihn mir mit Gewalt!“, drohte der Nekromant.
„Sag mir, was los ist, dann überlege ich es mir vielleicht.“
Garth sah mich an, als wollte er zuschlagen, doch dann hielt er sich zurück und verriet mir widerwillig: „Man hat mir dafür fünfzigtausend geboten. Euro, nicht Spielgold! Fünfzigtausend Euro! Für so viel Geld muss ich zwei Jahre arbeiten. Und ich werde den Preis noch höher treiben!“
Ich war fassungslos.
„Woher weiß man denn, dass du den Schädel hattest?“
Der Nekromant stieß ein höhnisches Geräusch aus. „Das Angebot kam von der Adresse, die du mir gegeben hast. Du weißt, was das bedeutet?“
Das bedeutete, dass ich in Schwierigkeiten steckte.
Mein eigener Anwalt hatte für den Schädel Geld geboten. Er hatte mir geraten, mich zu entspannen und eine Weile zu spielen. Verdammt! Er musste für Kogan gearbeitet haben! Aufgrund der Beschwerde beim technischen Support war der Hacker drei Monate lang vom Spiel ausgeschlossen, also gab es nur noch eine Möglichkeit, mich zum Schweigen zu bringen — indem dafür gesorgt wurde, dass ich in der Wüste oder im Krater eines Vulkans wieder zum Leben erwachte. Auf jeden Fall irgendwo, wo ich mit niemandem sprechen konnte und wieder und wieder starb, bis mein echter Körper nicht mehr künstlich am Leben erhalten wurde.
„Und du, Garth? Weißt du, was das bedeutet?“, antwortete ich mit einer Gegenfrage. „Sie wollen mich töten und du verlangst von mir den Schädel!“
„Du bist sowieso schon tot! Du kommst aus keinem Fall wieder aus dem Spiel heraus. Du siehst eher deinen eigenen Hinterkopf als eine Schriftrolle der Wiedergeburt! Da kann ich mir getrost die 50 K sichern!“
Der Nekromant hatte sich erfolgreich eingeredet, dass er nichts Unrechtes tat, vielleicht war es ihm auch einfach egal.
Ich schüttelte den Kopf und ging langsam aus dem Lichtkreis. „Lass mich einfach in Ruhe, dann passiert uns beiden nichts.“
Der Nekromant schleuderte eine Wolke aus Knochenspeeren in meine Richtung und ging zum Angriff über.

Todeszauber: Immunität

Garth wusste nicht, dass ich vor Todeszauber geschützt war, und setzte auf die falsche Karte. Die Knochenspeere konnten mich nicht verletzen, lähmen oder meine Willenskraft rauben. Sobald sie meine Brust berührten, wurden sie zu grauen Staubfäden.
Der Stab mit dem Haken dagegen war auch in der Hand eines Nekromanten eine gefährliche Waffe, deshalb trat ich vor und hieb mit dem Flammenschwert nach meinem Gegner. Die gewellte Klinge durchschnitt sein Fleisch, sodass der Nekromant in die Knie sank.

Schaden: 65

Ich zögerte einen Augenblick, denn ich war mir nicht sicher, ob ich mein Gegenüber endgültig erledigen sollte, doch Garth versuchte sofort erneut, mich zu töten. In seinen Händen brannte eine milchigweiße Energiekugel, während sich Raureif über dem Boden ausbreitete, doch kurz bevor er seine Eissphäre einsetzen konnte, drehte ich mich um und trennte ihm den weißhaarigen Kopf mit einem einzigen, mächtigen Hieb vom Hals.
Ein Schwall Blut schoss hervor.

Spieler Garth Deathblade wurde getötet!
Erfahrung: +311 [1964/2070]
Du steigst ein Level auf!

Ich erhöhte meine Beweglichkeit, als plötzlich alles vor meinen Augen verschwamm. Ich musste mich mit dem Schwert abstützen, um nicht zu stürzen, doch die Übelkeit ließ nicht nach. In meinem Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander, ich konnte nicht begreifen, was vor sich ging. Ich wusste nicht einmal, wer ich war!
Und dann leuchtete plötzlich eine Systemnachricht auf:

Hauptklasse verfügbar!

Hauptklasse verfügbar!

Hauptklasse verfügbar!

Ich kam wieder zu mir, öffnete das Menü und traute meinen Augen kaum.

[…]
Untoter, Fleischfresser. Level 10 / Mensch, Schurke. Level 10
Erfahrung: [1964/2070] [2008/2070]
Stärke: 20
Beweglichkeit: 13
Konstitution: 24
Intelligenz: 5
Wahrnehmung: 6
Gesundheit: 480
Ausdauer: 440
Energie: 110
Schaden: 60-120
Tarnung: +10
Kritische Schäden bei Angriffen im Tarn-Modus, Hinterhalten oder Angriffen auf ein gelähmtes Ziel.
Kreatur der Finsternis: Nachtsicht, Einschränkung im Sonnenlicht, Todesgriff, Aura der Angst, Fürchterlicher Biss
Neutralität: Untote
Immunität: Todeszauber, Gift, Verfluchung, Bluten, Krankheit, Heilungen und Segen.

Meine beiden Charaktere hatten sich miteinander verbunden, sodass meine Werte einem Spieler auf Level 20 entsprachen! Ich hatte wieder meine Fähigkeiten als Schurke und beherrschte die menschliche Sprache, war jedoch weiterhin ein Untoter — an einigen Hautstellen sah ich immer noch Leichenflecken. Die Quaddeln und Pusteln dagegen waren fast alle verschwunden und erstaunlicherweise war auch mein Mund deutlich breiter, mit verdächtig scharfen Zähnen, als wären sie gezielt gefeilt worden.
Stopp! Ich dachte in die falsche Richtung!
Ich suchte nach der Möglichkeit, das Spiel zu verlassen, doch der Menüpunkt war nicht aufgetaucht. Auch die Hotline zum technischen Support stand nicht zur Verfügung.
Verdammt! Ich war nach wie vor im Spiel gefangen!
Fluchend versuchte ich, das Menü zu schließen, wurde jedoch aufgefordert, meinem Charakter einen Namen zu geben. Der alte war offenbar gelöscht worden, als die Klassen miteinander verschmolzen.
Mit einem schiefen Lächeln tippte ich: „John Doe.“ Dann trat ich aus der Blutlache, die sich um den Nekromanten bildete, und verzichtete darauf, ihn auszuplündern. Das tat ich nicht, um meine Stiefel zu schonen, sondern ich wollte mir beweisen, dass ich mich zurückhalten konnte. Dass es mir gelang, selbst im toten Körper eines Fleischfressers menschlich zu bleiben.
Mit dem Flammenschwert auf der Schulter marschierte ich die Straße hinunter, die von der Stadt wegführte. Ich hatte keine Ahnung, was mir unterwegs begegnen würde, doch ich war mir ganz sicher, was mich am Ende erwartete.
Schriftrolle der Wiedergeburt, ich komme!




Release - April 25



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